Anthropogene Stoffeinträge in den Wasserkreislauf reduzieren

Durch den Menschen hervorgerufene Belastungen des Wasserkreislaufs durch Spurenstoffe aus kosmetischen und pharmazeutischen Produkten, Industriechemikalien sowie aus der landwirtschaftlichen Anwendung (z.B. Pflanzenschutzmittel) aber auch durch andere Stoffe, wie Plastik, die in die Gewässer und dann auch in die Meere eingetragen werden, sind ein Problem.

Der begonnene Spurenstoffdialog des Bundes muss unter Einbeziehung aller Akteure in konkrete Anforderungen münden, damit diese Stoffe in den Gewässern deutlich vermindert werden. Die Betroffenen benötigen Planungssicherheit. Dabei gilt es, zuerst Lösungen zur Vermeidung oder Verminderung von Stoffen an den Eintragspfaden zu finden, z.B. durch Stoffsubstitution, Anwendungsbeschränkungen, Verbraucherinformation und umweltgerechte Entsorgungswege. Dort wo es nachweislich gewässerbezogen und nutzungsbezogen sinnvoll ist, kann die Errichtung vierter Reinigungsstufen auf kommunalen Kläranlagen Teil der Problemlösung sein. Soweit Gewässerverunreinigungen überwiegend aus diffusen Quellen resultieren, bedarf es anderer wirksamer Maßnahmen.

Das Vorkommen von Antibiotikaresistenzen im Wasserkreislauf gelangt zu Recht zunehmend in den Fokus. Eine Bewertung der Risiken muss entwickelt werden. Die Vermengung der Problematik mit der Spurenstoffdebatte ist nicht sachgerecht.

Bei dem verstärkt wahrgenommenen Problem der Gewässerbelastung durch Mikroplastik müssen die noch erheblichen Wissenslücken geschlossen und harmonisierte Mess- und Analyseverfahren entwickelt sowie einheitliche Begriffe verwendet werden, um rasch zu einer belastbaren Problembewertung zu kommen und dann zeitnah notwendige Gegenmaßnahmen zu treffen. Überwiegend handelt es sich hier um diffuse Einträge in Gewässer, die eigene Strategien erfordern.

  • Die Eintragspfade und Eintragsmengen von anthropogenen Stoffen in Gewässer müssen unter Einbeziehung punktueller und diffuser Quellen noch deutlich besser ermittelt und transparenter gemacht werden.
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  • Untersuchungen zur Entwicklung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen sind notwendig. Insgesamt muss die Risikobewertung für Stoffe und deren Auswirkungen im Wasserkreislauf mit Hilfe der Forschung kontinuierlich verbessert werden.
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  • Gegen relevante Stoffeinträge in Gewässer müssen Maßnahmen ergriffen werden, die unter Berücksichtigung von ökologischen und ökonomischen Kriterien ermittelt werden sowie eine gerechte Lastenverteilung gewährleisten. Dabei muss eine Vermeidung oder Verminderung an der Quelle im Vordergrund stehen. Dieses Prinzip muss von der Politik auch auf europäischer Ebene verankert werden, z.B. im Rahmen der geplanten europäischen Arzneimittelstrategie.
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  • Die Umweltverträglichkeit von Stoffen muss im Rahmen der entsprechenden Stoffzulassungsverfahren eine deutlich größere Rolle spielen als bisher.
    Bund und Ländern werden aufgefordert, vor der verbindlichen Festschreibung von Maßnahmen eine Wirksamkeitsabschätzung für diese Maßnahmen vorzunehmen.
  • Einträge von Antibiotikaresistenzen in die Umwelt müssen durch Maßnahmen bei deren Entstehung reduziert werden. Hierzu sind Aufklärungsmaßnahmen zur Verwendung von Antibiotika in der Humanmedizin, aber Anwendungsbeschränkungen im Bereich der Tiermedizin, insbesondere in Bezug auf die Nutzung von Reserveantibiotika, notwendig.
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  • Bei dem Problem von Mikroplastik im Wasser muss durch die Förderung von Forschung und Entwicklung zeitnah eine belastbare Bewertung erfolgen und daran anknüpfend eine sachgerechte Handlungsstrategie abgeleitet werden. Auch hier gilt es, Einträge möglichst zu vermeiden, z.B. indem Kunststoffe und deren Einsatz durch umweltverträgliche Materialien oder Verfahren ersetzt werden oder indem Kunststoffe recyclingfähig produziert und nach dem Prinzip „cradle to cradle“ gleichwertig Verwendung finden.
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