Frauen in der Wasserwirtschaft

Frauen im DWA-Vorstand

Seit Januar verstärken zwei weitere Frauen den 30-köpfigen DWA-Vorstand. Mit Silke Wieprecht und Birgit Esser sind nun sechs Frauen im DWA-Leitungsgremium vertreten, das die langfristigen Ziele der DWA festlegt, sie strategisch ausrichtet und die dazu notwendigen Beschlüsse fasst.

Die Zahl sechs klingt zunächst gering. Wenn man aber nur ein paar Jahre zurückschaut, ins Jahr 2013, das letzte Jahr, in dem die DWA-Geschicke noch ausschließlich  von Männern bestimmt wurden, sind 20 Prozent bereits ein vorzeigbarer Erfolg.

Hier möchten wir Ihnen die sechs Vorstands-Frauen vorstellen. Wir haben mit ihnen gesprochen. Über ihre Beweggründe, sich in der DWA zu engagieren, vor allem aber darüber, wie sie die Stellung der Frauen in der Wasserwirtschaft beurteilen.

DWA-Präsident Professor Dr. Uli Paetzel:

„Es ist unsere Aufgabe, die DWA jünger, bunter und weiblicher zu machen. Diversität ist die Grundlage für Offenheit, für Neues, für Kreativität und Lernfähigkeit. Neue Fachkräfte findet man nur, wenn man Diversity zulässt, aktiv fördert und bereit ist, in neue Richtungen zu denken.“

Frauen verstärken DWA-Vorstand

Regina Dube, Beate Jessel, Andrea Poppe (v.l.n.r. oben), Silke Wieprecht, Birgit Esser, Nicole Stenzel (v.l.n.r. unten)

Ehrenamtliches Engagement in der DWA

Warum engagieren Sie sich in der DWA?

Regina Dube: Die DWA ist für die Arbeit des Bundesumweltministeriums eine ganz wichtige Institution, die ich durch mein Engagement gerne unterstütze.

Beate Jessel: Als technisch-wissenschaftlicher Fachverband, der eine nachhaltige Wasserwirtschaft auf Basis einer intakten Umwelt verfolgt, ist die DWA mit ihren etwa 14.000 Mitgliedern sehr breit aufgestellt. Sie ist daher eine wichtige Partnerin, um die häufig gemeinsamen Ziele der Wasserwirtschaft und des Naturschutzes zum beiderseitigen Nutzen in Strategien und Handlungsempfehlungen zu verankern und in konkrete Projekte umzusetzen.

Andrea Poppe: Um das Regelwerk voranzubringen, fachlicher Austausch ist sehr bereichernd, um zu netzwerken.

Silke Wieprecht: Die DWA bietet eine sehr gute Plattform, um sich auszutauschen, aber auch um Wissen und neueste Erkenntnisse weiterzugeben und zu verbreiten.

Birgit Esser: Viele DWA-Regelwerke sind unter der Mitwirkung der Bundesanstalt für Gewässerkunde entstanden. Durch mein persönliches Engagement möchte ich zeigen, für wie wichtig ich diese Zusammenarbeit halte.

Nicole Stenzel: Die DWA bildet mit ihrem Regelwerk, ihren Merkblättern und Themenheften die Grundlage für unsere Arbeit. Dafür ist ehrenamtliches Engagement notwendig!

Was möchten Sie innerhalb der DWA mit Ihrer Arbeit erreichen?

Regina Dube: Ich möchte die Menschen , die sich in der DWA für unsere Themen engagieren, bestärken, diese wichtige Arbeit zu tun.

Beate Jessel:
Synergien zwischen Wasserwirtschaft und Naturschutz befördern sowie Gewässer und Auen als Ökosysteme stärker in den Fokus rücken. Der Handlungsbedarf in diesem Feld ist enorm. Die DWA kann viel dazu beitragen, dieses Anliegen den Fach- und Führungskräften der Wasserwirtschaft zu vermitteln und in der Aus- und Fortbildung zu verankern.

Andrea Poppe:
Standards deutschlandweit erarbeiten und bekannt machen.

Silke Wieprecht:
Mir ist es besonders wichtig, die fachlich gute Arbeit innerhalb der DWA noch mehr sichtbar zu machen. Die DWA kann und soll hier auch gerne international eine Vorreiterrolle übernehmen.

Birgit Esser:
Ich möchte das Wissen der BfG und damit des Bundes in die Arbeit der DWA einbringen und gleichzeitig das Know-how anderer DWA-Mitglieder für uns erschließen. Dadurch können neue Potenziale geschaffen werden und neue Partnerschaften entstehen.

Nicole Stenzel:
Ich wünsche mir, dass jeder Auszubildende, Studierende oder Berufseinsteiger weiß, welche beruflichen Möglichkeiten es in unserer Branche gibt und ohne Angst und mit einem soliden Netzwerk ins Berufsleben einsteigt.

Frauen in technischen Berufen

Stichwort Netzwerken. Oft hört man, dass Frauen ihre eigenen Netzwerke aufbauen müssen, wenn sie in der - wasserwirtschaftlichen - Männerwelt bestehen wollen. Sehen Sie das auch so?

Regina Dube: Ich persönlich komme mit gemischtgeschlechtlichen Netzwerken besser zurecht. Das heißt aber nicht, dass sich Frauen auch einmal über eigene Bedürfnisse austauschen sollten.

Beate Jessel: Kontaktpflege und vor allem Erfahrungsaustausch sind wichtig – das betrifft Männer wie Frauen, das betrifft aber vor allem auch die notwendige Vernetzung von Wissenschaft und Praxis.

Andrea Poppe: Nach meiner Wahrnehmung wäre das ein wichtiger Schritt. Für die Zukunft wäre zu hoffen, dass Männer und Frauen in gemeinsamen Netzwerken gleichberechtigt arbeiten.

Silke Wieprecht: Ja, das sehe ich auch so. Netzwerken ist für alle wichtig. Frauen und Männer. Wir Frauen sind oftmals zu bescheiden oder zu ehrgeizig und denken, wir müssen alles aus eigener Kraft ohne jede Unterstützung schaffen. Aber das entspricht ja nicht der Realität.

Birgit Esser: Frauen sollten ihr Wissen und ihre Erfahrungen in Netzwerke einbringen! Ich halte es aber nicht für notwendig, dafür eigene Netzwerke aufzubauen. Netzwerke profitieren meiner Meinung nach mehr von der Beteiligung beider Geschlechter.

Nicole Stenzel: Bisher habe ich nicht die Erfahrung gemacht, dass es nötig wäre, ein eigenes Netzwerk unter Frauen zu haben, aber ich habe mit anderen Frauen gesprochen, die sich das für sich wünschen würden.

Stichwort Chancengleichheit. Was halten Sie von Frauenförderplänen? Was von Quoten oder Zielgrößen?

Regina Dube: Für mich ist das eine Sache der persönlichen Ansprache. Manchmal brauchen Frauen, von wem auch immer, einen kleinen „Stups” , um sich in die erste Reihe zu stellen. Das muss man fördern.

Beate Jessel: Eigentlich sollten nur die Leistung und Qualität der Arbeit zählen, unabhängig von Geschlecht, Anschauungen und Orientierungen. Die Realität zeigt aber, dass es in vielen Bereichen ohne solche, auch verpflichtenden Instrumente leider nicht vorangeht.

Andrea Poppe: Sehr viel. Auf sie kann nicht verzichtet werden, bis die Chancengleichheit realisiert ist.

Silke Wieprecht: Früher habe ich Quotenregelungen vehement abgelehnt und war der festen Meinung, dass wir Frauen das einerseits auch so schaffen werden und andererseits uns die Männerwelt auch gerne „Platz machen“ würde. Die Realität ist leider eine andere. Alle freiwilligen Verpflichtungserklärungen werden nicht oder nur sehr, sehr schleppend umgesetzt.

Birgit Esser: In den Bereichen, wo keine Chancengleichheit herrscht, sollte auf jeden Fall eine Frauenquote eingeführt werden. Auch sollten Frauen in den Bereichen gefördert werden, in denen es noch eine männliche Dominanz gibt.

Nicole Stenzel: Das ist ein wirklich schwieriges Thema. Ich glaube, dass es früher wichtiger war als heute für eine Quote zu sorgen, dass es heute aber immer noch Bereiche gibt, in denen die Frauen hintenanstehen, obwohl ihr Gesamtanteil in den Firmen gestiegen ist.

Was sollte die DWA tun, um weiblichen Nachwuchs zu gewinnen? Für den Beruf, aber auch fürs Ehrenamt?

Regina Dube: Geeignete Frauen manchmal ein bisschen „stupsen“.

Beate Jessel: Bildung und Vorbilder sind wichtig, um qualifizierten – nicht nur weiblichen – Nachwuchs zu gewinnen.

Andrea Poppe: Durch Vorbilder dafür werben und interessierte Frauen fördern.

Silke Wieprecht: Zwei Wege: 1. Frauen finden, ansprechen und ermutigen dabei zu sein. 2. Vorbilder schaffen. Es zeigt sich, dass eine diverse Gesellschaft, diverse Firmen oder auch Arbeitsgruppen viel schlagkräftiger sind und auch viel bessere Ergebnisse erzielen.

Birgit Esser: Nachwuchs gewinnen fängt schon in der Schule an. Das Interesse an technischen Berufen, aber auch für die Naturwissenschaften im Allgemeinen, sollte schon bei Kindern geweckt werden. Die DWA sollte an die Schulen gehen und den Kindern und Jugendlichen zeigen, wie wichtig und nachhaltig unsere Arbeit sein kann.

Nicole Stenzel: Da würde ich gar nicht zwischen Mann und Frau unterscheiden, es mangelt an beiden Geschlechtern im Nachwuchs.

Was hindert junge Frauen daran, einen technischen Beruf zu ergreifen? Oder, wenn sie ihn denn haben, sich in der DWA einzubringen?

Regina Dube: keine Antwort

Beate Jessel: Es geht heutzutage, glaube ich, weniger um die Art der Berufswahl – hier haben in der Ausbildung Frauen in vielen Bereichen mittlerweile mit den Männern gleich gezogen - , sondern es geht vorrangig um entsprechende Weiterentwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, die mit den jeweiligen Lebensmodellen kompatibel sind.

Andrea Poppe: Hier denke ich, dass Mädchen aufgrund bestehender Rollenbilder nicht genug an Technik herangeführt werden. Hier müsste bereits im Kindergarten und in der Schule angesetzt werden. Was die Mitwirkung in der DWA betrifft: Vielleicht verfügen Frauen im Alltag je nach Lebensphase immer noch nicht über den dazu notwendigen Freiraum?

Silke Wieprecht: Unsere Gesellschaft ist immer noch zu sehr in alten Strukturen und Vorbildern verhaftet.

Birgit Esser: Meiner Meinung nach gibt es heutzutage keinerlei Hindernisse für Frauen, einen technischen oder wissenschaftlichen Beruf zu ergreifen. Viele Frauen sind bereits erfolgreiche Ingenieurinnen oder Naturwissenschaftlerinnen. Ich bin mir zudem sicher, dass die DWA jeder interessierten Frau die Möglichkeit gibt, sich einzubringen.

Nicole Stenzel: Ich würde sagen, mittlerweile ist es keine Frage mehr des Geschlechts, sondern der Generation. Freizeit wird als wichtiger denn je gesehen!

Was sollte die DWA tun, um Frauen in der Wasserwirtschaft ein größeres Gewicht und mehr Sichtbarkeit zu verleihen?

Regina Dube: Auf paritätische Besetzung achten.

Beate Jessel: Über längere Zeit war ich die einzige Frau im DWA-Vorstand, jetzt sind wir zu sechst, was ja schon ein gutes Zeichen ist. Was ich allerdings schon mehrfach kritisiert habe ist, dass bei den Entscheidungen über Preisverleihungen und Ehrungen, die auf Vorstandssitzungen getroffen werden, bislang überwiegend Männer zum Zuge kommen. Auch wenn der Frauenanteil bei den DWA-Mitgliedern mit knapp 18 Prozent noch relativ gering ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass es nicht auch die eine oder andere qualifizierte Frau gibt, die dafür in Frage kommt.

Andrea Poppe: Die Sichtbarmachung ist wirklich entscheidend. Die Hauptausschüsse sollten das Thema für ihre Gremien regelmäßig beleuchten.

Silke Wieprecht: Noch mehr Frauen auf exponierte Positionen bringen. Sichtbarkeit erhöht das Selbstverständnis, dass die DWA auch eine weibliche Seite hat.

Birgit Esser: Zahlreiche Frauen sind in der Wasserwirtschaft als Ingenieurinnen und vor allem als Naturwissenschaftlerinnen bereits jetzt erfolgreich tätig und besetzen Führungspositionen. Die DWA sollte diese Frauen ansprechen und ihnen eine Mitarbeit vorschlagen.

Nicole Stenzel: Es sollte ein Augenmerk auf die Auswahl der Beirats- und Vorstandsmitglieder gelegt werden. Hier werden meistens Männer ausgewählt. In den Gremien wird sich vermutlich auch im Laufe der nächsten Jahre einiges ändern, da immer mehr Frauen in diesen Berufen arbeiten.

Machen Frauen Dinge anders als Männer? Falls ja, was?

Regina Dube: Ja, aber auch nicht immer besser. Wir brauchen hier differenzierte Betrachtungen.

Beate Jessel: Eigentlich nicht – es gibt überall solche und solche Menschen. Allerdings erlebe ich in meinem Umfeld die Zusammenarbeit mit Frauen oft als konsens- und teamorientierter, während bei Männern Status und die Abgrenzung von Zuständigkeiten eine größere Rolle spielen.

Andrea Poppe: Einen eindeutigen Unterschied vermag ich in meinem Berufsalltag nicht auszumachen. Unterschiede, die ich beobachte, sind eher den handelnden Individuen und den Hierarchieebenen geschuldet.

Silke Wieprecht: Frauen haben oftmals einen anderen Blickwinkel auf viele Dinge. Ich beobachte, dass wir vieles oft ganzheitlicher betrachten und angehen. Außerdem sind aus meiner Sicht Frauen oft viel strukturierter und besser organisiert. Natürlich gibt es immer auch Ausnahmen. Auf beiden Seiten.

Birgit Esser: Frauen gehen oft mit ein wenig mehr Emotionen auf ein Problem oder eine Aufgabe zu als Männer. Besonders bei der Arbeit im Team kann diese emotionale Komponente meiner Meinung nach sehr befruchtend sein.

Nicole Stenzel: Das ist stark Personen abhängig. Insgesamt habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen in Besprechungen oder Diskussionen weniger aggressiv sind als Männer.

Sehen Sie sich als Vorbild? Für andere Frauen, als erfolgreiche Frau in einem technischen Beruf?!

Regina Dube: Das weiß ich nicht, kann es mir aber in einigen Fällen vorstellen.

Beate Jessel: Jedenfalls ist das Ansporn, gerade jungen Frauen Mut zu genügend Selbstbewusstsein zu machen.

Andrea Poppe: Mir wurde das schon öfters signalisiert, so dass ich das wohl bin, ohne dass es mir lange bewusst war.

Silke Wieprecht: Ich denke schon, dass ich als Vorbild oder als Rollenmodell (role model) dienen kann. Und ich bin auch immer gerne bereit mich mit Frauen - und auch gerne mit Männern - zu dem Thema auszutauschen, was wir wie noch verbessern können.

Birgit Esser: In einer Leitungsfunktion sollte man sich immer der eigenen Rolle bewusst sein und zumindest versuchen, vorbildhaft zu handeln. Ich beziehe das auf Männer wie auf Frauen. Auch wenn ich die erste Leiterin der BfG bin, gibt es zahlreiche Wissenschaftlerinnen in leitender Funktion. Die Zeit ist reif dafür und der weibliche Nachwuchs steht bereit.

Nicole Stenzel: Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht, vielleicht in Einzelfällen, aber der Gedanke, anderen Frauen Mut zu machen, ist sehr schön.