Einfluss dynamischer Prozesse auf die Fließgewässerbewertung

Neue Arbeitsgruppe GB-10.3 plant Publikation

© Mario Grunke/DWA

Hennef. Die neue Arbeitsgruppe GB-10.3 "Einfluss dynamischer Prozesse auf die Fließgewässerbewertung gemäß WRRL" der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) plant die Erarbeitung einer neuen Publikation.

Mit Blick auf die Erreichung der Ziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist eine flächendeckende Umsetzung von hydromorphologischen Maßnahmen im Gang. Die damit verbundene Absicht einer Verbesserung des Gewässerzustands stellt sich oftmals auch ein. Allerdings führen diese Maßnahmen nicht in allen Fällen auch zu einem sichtbaren Erfolg in der biologischen Bewertung der Gewässer. Daher hat diese Tatsache basierend auf einem mittlerweile erweiterten Verständnis für den Zustand und die Funktionen unserer Gewässer maßgeblichen Handlungsbedarf an der detaillierten Fließgewässertypisierung sowie zur Entwicklung praxistauglicher biologischer Bewertungsverfahren für den Zielzustand in unseren Gewässern aufgezeigt.

Auch wenn das erstmalig flächendeckende Vorliegen einer einheitlichen Bewertung der Bedingungen in unseren Gewässern einen maßgeblichen Erfolg der WRRL darstellt und grundsätzlich daran festgehalten werden soll, gibt es dennoch aktuell einen Wissensbedarf zum quantitativen und zeitlichen Einfluss dynamischer Einflüsse auf die statische biologische Praxis der Fließgewässerbewertung. Diese dynamischen Einflüsse resultieren oftmals aus besonderen hydrologischen oder hydraulischen Belastungssituationen mit Wirkung auf die Habitatebene oder aus Einflüssen von den verschiedenen Bewirtschaftungsmaßnahmen. Zudem scheinen auch die Reihenfolge von Gewässerentwicklungsmaßnahmen und ihre Interaktion mit Maßnahmen zur Beeinflussung der Sedimentdynamik in den zu beurteilenden Fließgewässerstrecken mitunter von Wirkung zu sein. Bezugsebene dieser Einflussfaktoren ist immer die typspezifische Habitatebene.

Vor diesem Hintergrund hat der DWA Fachausschuss GB-10 „Wasserrahmenrichtlinie“ im Jahr 2018 ein Fachforum „Einfluss dynamischer Prozesse auf die Fließgewässerbewertung gemäß WRRL – Ansprüche der Biologie an die hydraulischen Bedingungen“ durchgeführt. Im Ergebnis dieses Forums konnte die Notwendigkeit einer Systematisierung und einer Handlungsempfehlung für die Praxis eindeutig festgestellt werden.

Aufgaben und Ziele der geplanten Arbeitsgruppe

In ausreichender Anzahl verfügbare und den Ansprüchen der Gewässerbiozönose genügende typspezifische Habitate sind Grundvoraussetzung für die Erreichung des Ziels eines guten Gewässerzustands. Diese Habitate richtig zu beschreiben und diesen dann durch Gewässerumgestaltungsmaßnahmen in ihrer Ausprägung nahezukommen ist eine komplexe Aufgabe, da sie infolge der im Gewässer ablaufenden dynamischen Prozesse stetig Veränderungen erfahren. Daher liegt die Aufgabe der Arbeitsgruppe darin, diese Habitatebene und deren räumliche und zeitliche Interaktionen mit der strukturellen und hydraulischen Beschaffenheit von Gewässern für die einzelnen Fließgewässertypen zu konkretisieren und die Wirkungseinflüsse der multiplen Stressoren für die Praxis auszuweisen sowie räumlich und zeitlich einzuordnen. Ziel der Arbeitsgruppe ist es somit, vor allem die Zusammenhänge zwischen dynamischen Prozessen in unseren Fließgewässern und statischen biologischen Zuständen weitergehend zu vertiefen, auf Basis der Fließgewässertypisierung mit einem eindeutigen Bezug zur angestrebten Habitatebene zu systematisieren und die zusammengetragenen Erkenntnisse in Form einer DWA-Publikation zur Verfügung zu stellen.

Im Einzelnen sollen die folgenden Aspekte bearbeitet werden:

  • Eine interdisziplinäre Bearbeitung des Themenkomplexes „Dynamik in Fließgewässern“ mit dem Ziel einer eindeutigen Identifikation und Beschreibung der jeweiligen räumlichen und zeitlichen Einflüsse einzelner Prozesskomponenten auf die Habitatebene.
  • Erarbeitung einer verbesserten typbasierten Beschreibung der auf die ökologische Bewertung wirkenden maßgeblichen hydrologischen/hydraulischen Einflussgrößen unter besonderer Betrachtung von Gleichgewichtszuständen bei Kolmationseffekten, Sedimenttransport und -dynamik.
  • Analyse und Wertung der bestehenden Ansätze zur Habitatbeschreibung.
  • Erarbeitung von Wissensdefiziten und Aufzeigen des weiteren Forschungsbedarfs.

Derzeit nehmen eine Reihe von DWA-Arbeitsgruppen in unterschiedlichen Hauptausschüssen die Wirkung einzelner wasserwirtschaftlicher Fragestellungen auf die Habitatebene in den Fokus. Die geplante Arbeitsgruppe soll das Wirkspektrum der einzelnen Stressoren auf die typspezifische Habitatebene ganzheitlich aufgreifen und auch Aussagen - soweit ermittelbar - zu den zeitlichen Verläufen zusammenstellen. Hierzu ist eine hauptauschussübergreifende Beteiligung von relevanten Arbeitsgruppen vorgesehen.

Aufruf zur Mitwirkung

Zur Mitarbeit in der interdisziplinären AG sind Vertreter*innen von wissenschaftlichen Einrichtungen, Planungsbüros, Betreibern jeglicher Art von wasserwirtschaftlichen Anlagen, Mitarbeiter*innen von Maßnahmenträgern, Gewässerunterhaltungspflichtigen und Behörden eingeladen. Für die Besetzung der Arbeitsgruppe werden Kolleginnen oder Kollegen aus den Bereichen Limnologie, Landschaftsschutz, Ingenieure oder weiteren rund um die Gewässerentwicklung und Fließgewässerbewertung tätigen Berufsgruppen gesucht. Die Arbeiten zur beschriebenen Thematik sollen so ehrenamtlich mitgestaltet werden. Bewerber*innen sollten sowohl mit wissenschaftlichen Arbeitsmethoden vertraut sein, als auch Praxiserfahrungen einbringen können.

Hinweise und Anregungen zu diesem Vorhaben nimmt die DWA-Bundesgeschäftsstelle gerne entgegen. Interessenten melden sich bitte mit einer themenbezogenen Beschreibung ihres beruflichen Werdegangs bei: DWA-Bundesgeschäftsstelle Dipl.-Geogr. Georg Schrenk, Theodor-Heuss-Allee 17, 53773 Hennef, Tel. 02242/872-210, Fax 02242/872-184, E-Mail: schrenk@dwa.de Internet: www.dwa.de

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