Wasserbewusste Raum- und Siedlungsentwicklung
Stadtplanung, Landschaftsplanung und wasserwirtschaftliche Planung zusammen betrachtet
Stadtplanung, Landschaftsplanung und wasserwirtschaftliche Planung zusammen betrachtet
Bewusst bedeutet gewollt, absichtlich. Eine Stadt, die wasserbewusst gestaltet wird, ist somit eine Stadt, die dem Thema Wasser in all seinen Facetten Rechnung trägt. Man ist sich dem Wert des Wassers bewusst. Eine zukunftsgerichtete Stadtentwicklung erfordert, dass das Medium Wasser von Beginn an mitgedacht wird, wenn man das Ziel hat, die Lebensqualität in unseren Siedlungen spürbar zu verbessern.
Wasser in der Stadt hilft, bei hohen Temperaturen Hitzeinseln zu vermeiden, denn verdunstendes Wasser kühlt die Luft. Wasser in der Stadt ist auch ein Gestaltungselement, es kann die Stadtoptik in ästhetischer Hinsicht verbessern. Wasser wird als Ressource betrachtet. In der wasserbewussten Stadt wird Wasser nicht einfach über die Kanalisation abgeleitet, stattdessen wird es gesammelt, um es später, in Trockenphasen, zu nutzen.
Aber auch ein Zuviel an Wasser, ausgelöst durch Flusshochwasser oder Starkregen, hat in der wasserbewussten Stadt einen Platz. Flutkatastrophen wie 2021 an Ahr und Erft kann jedoch auch die „Schwammstadt“, wie die wasserbewusste Stadt umgangssprachlich oft genannt wird, nicht verhindern, bei ausreichenden baulichen und naturbasierten Maßnahmen aber zumindest abmildern.
Bis Mitte der 1990er Jahre hat man Niederschlagswasser selbstverständlich über die Kanalisation abgeleitet, jetzt soll das Wasser dort versickern, wo es auf die Erde trifft. In Versickerungsmulden, Versickerungsgräben oder Versickerungsbecken, in denen das Wasser von Dach-, Grün- oder Verkehrsflächen zusammenfließt. Fachleute sprechen vom Retentionsprinzip. Ausschlaggebend für die geänderte Haltung war die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union, die eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung als Ziel definiert.
Um Flächen für die Versickerung zu schaffen, müssen versiegelte Gebiete entsiegelt, bei Baumaßnahmen entsprechende Freiflächen eingeplant werden. Da Freiflächen im urbanen Raum rar sind, sollen sie möglichst für verschiedene Zwecke, also multifunktional, genutzt werden. Ein Spielplatz kann zum Beispiel so angelegt werden, dass er bei Starkregen als Sammelbecken für das Wasser dient, um anderweitige Überschwemmungen zu verhindern.
In einer wasserbewussten Stadt gewinnt das Leben in unseren Siedlungen immens an Qualität. Ein Blick auf einen Park ist nun mal ansprechender, als auf eine graue Betonwand. Es gilt, eine blau-grüne Infrastruktur mit der grauen gekonnt zu kombinieren; damit gelingen auch Anpassungsstrategien an den Klimawandel. Hitzespots in den Städten werden vermieden, Trockenperioden leichter gemeistert, zugleich wird ein Beitrag gegen Überflutung geleistet.
Hinzu kommt: In Städten mit starker Versiegelung hat man sich weit von einem ausgeglichenen Wasserhaushalt verabschiedet. Regenwasser, das ungenutzt über die Kanalisation abfließt, kann weder verdunsten noch versickern und somit den Bodenwasserhaushalt auch nicht verbessern. Im Grunde spricht alles dafür, Städte wasserbewusst umzubauen. Aber in Städte herrscht eine immense Flächenkonkurrenz, Freiflächen fehlen. Die Umgestaltung erfordert Kreativität und kostet Geld. All das birgt Konfliktpotenzial. Am Ende des Tages zahlen sich wasserbewusste Städte aus, denn sie führen Ressourcen im Kreislauf, nutzen und schützen das Wasser und steigern die Attraktivität einer Stadt. Zahlreiche Beispiele im In- und Ausland zeigen, dass bezahlbarer Wohnraum auch in einer blau-grün gestalteten Infrastruktur möglich ist. Wo dies gelungen ist, wird auch deutlich, was von Beginn an notwendig ist: Eine gute Einbindung aller Akteur*innen unter Beteiligung der Bürger*innen. Eine sogenannte Phase Null im Planungsprozess hilft, um das Projekt zum Erfolg zu führen. Sind alle von Anfang an dabei und ist das Mandat der kommunalen Entscheidungsträger klar darauf ausgerichtet, eine wasserbewusste Stadtentwicklung umzusetzen, dann ist oft zu beobachten, wie die Bürger*innen für ihr Quartier Verantwortung und Aufgaben freiwillig und mit Freude übernehmen (Straßenbäume werden mit Regenwasser aus Zisternen gegossen …).
Wasser in der Stadt steigert die Lebensqualität
86 Prozent der Bürgerinnen und Bürger wollen mehr Grün, Blau und Wasserrückhalt in den Städten
Veranstaltungen
Ergebnisse aus der Veranstaltung Wasserbewusste Stadtentwicklung: Gemeinsam für lebenswerte Städte! vom 28./29. September 2023
Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung
Wir sind eine starke Allianz von Verbänden und Institutionen verschiedener Fachdisziplinen (Stand August 2026 29 Verbände), die sich gemeinsam für das Thema “wasserbewusste Stadtentwicklung” einsetzen und eine rasche Umsetzung fordern. Als Allianz stärken wir die fachliche Arbeit durch interdisziplinäre Vernetzung. Wir wollen politische Entscheidungsträger auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene von blau-grüner Infrastruktur begeistern und deutlich machen, dass sich heutige Investitionen in klima-resiliente Maßnahmen langfristig auszahlen, denn eine Vielzahl von Sektoren profitieren: Wirtschaft (Wasser ist ein Standortfaktor), Gesundheit (Hitze, Allergien), Natur (Biodivesität), Gesellschaft (grüne Oasen in der Stadt).... Dabei ist uns klar, dass die Stadt ohne ihr Umfeld nicht funktionieren kann, d.h. die Ressourcen, insbesondere Wasser, müssen auf Flusseinzugsgebietsebene integriert gemanaged werden. Es gilt Wasser in der Landschaft zurückzuhalten und einen naturnahen Wasserkreislauf anzustreben.
Forderung der Allianz
Mitglieder der Allianz „Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung“ fordern die Verankerung im Grundgesetz
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.
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