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Niedrigwasser zunehmend Problem für Wirtschaft und Umwelt

Hennef. Niedrigwasser wird zum Standort- und Versorgungsrisiko. Kraftwerke müssen ihre Leistung drosseln oder werden ganz vom Netz genommen, die Binnenschifffahrt verliert Transportkapazitäten, in der Landwirtschaft gestaltet sich die Bewässerung vielerorts problematisch. Niedrigwasser belastet die Wirtschaft und gefährdet die Ökologie der Gewässer. „2003, 2015, 2018, 2019, 2020, 2022 und jetzt 2026. Niedrigwasser ist längst kein Ausnahmeereignis mehr. Deutschland muss sich auf lange Trockenphasen deutlich besser vorbereiten. Wir müssen unsere Gewässer so bewirtschaften, dass sie auch in Trockenzeiten ihre ökologischen Funktionen erfüllen und gleichzeitig Wasser für Mensch und Wirtschaft bereitstellen können“, sagt Dr. Lisa Irwin-Broß, Vorständin der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA).

Niedrigwasser betrifft zentrale Bereiche der Daseinsvorsorge

Niedrige Pegelstände wirken sich unmittelbar auf die Energieversorgung, die Binnenschifffahrt, die Landwirtschaft und die Wasserversorgung aus. Kraftwerke müssen vom Netz, da nicht ausreichend Kühlwasser in den Flüssen ist oder das Wasser deutlich zu hohe Temperaturen aufweist. Binnenschiffe müssen mit verminderter Ladung fahren oder bleiben ganz im Hafen, da die Fahrrinnen nicht mehr ausreichend Tiefgang bieten. Energiepreise steigen, Transportkosten erhöhen sich, Lieferketten werden unterbrochen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat für das Niedrigwasser 2018 berechnet, dass die Industrieproduktion in Deutschland um etwa ein Prozent abnimmt, wenn an der Rhein-Messstelle Kaub die kritische Marke von 78 cm für einen Zeitraum von 30 Tagen unterschritten wird. Aktuell ist der Rekordpegel von 25 cm aus dem Jahr 2018 in Kaub fast wieder erreicht. Das Niedrigwasserkostete 2018 laut den Kieler Wirtschaftsexperten bis zu 0,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Gewässerökologie braucht Wasser und angemessene Temperaturen

Niedrige Wasserstände und hohe Wassertemperaturen belasten die Gewässerökologie erheblich. Viele Fischarten, wirbellose Tiere und Wasserpflanzen reagieren empfindlich auf Sauerstoffmangel und Temperaturstress. Gleichzeitig verringert sich die Fähigkeit der Gewässer, Nährstoffe und andere Stoffeinträge zu verdünnen und umzusetzen. Die Folgen reichen von veränderten Lebensgemeinschaften bis hin zu lokalen Fischsterben. Intakte Gewässer benötigen ausreichend Wasser, um ihre ökologische Funktion zu erfüllen und ihre Widerstandskraft gegenüber Extremereignissen zu erhalten.

Schutz der Gewässer ist Schutz der Wirtschaft

Die DWA sieht in der Anpassung an längere Trocken- und Niedrigwasserphasen eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre. Bund, Länder, Kommunen und Wasserwirtschaft müssen die Vorsorge deutlich stärken.

  • die konsequente Berücksichtigung von Niedrigwasserrisiken bei Infrastruktur- und Investitionsentscheidungen
  • eine wassersensible Raum- und Landschaftsentwicklung, die Wasser länger in der Fläche hält
  • die Wiederherstellung und Stärkung natürlicher Wasserspeicher wie Auen, Feuchtgebiete und Moore
  • der Ausbau eines integrierten Wassermengenmanagements auf Einzugsgebietsebene
  • die Förderung von Wasserrückhalt in Siedlungen und der Landwirtschaft

Viele dieser Maßnahmen entfalten ihre Wirkung erst über Jahre hinweg. Umso wichtiger ist es, sie frühzeitig zu planen und umzusetzen. Mit einem intelligenten und klimaangepassten Wassermanagement lassen sich die Interessen von Wirtschaft und Umwelt nachhaltig in Einklang bringen.