WorldSkills - Das neue Skill Water Technology

„Water Technology“

Abwasser ist eines der häufigsten Resultate der menschlichen Wassernutzung. Da die Nachfrage nach Wasser insgesamt wächst, steigen weltweit stetig auch Menge und Schadstoffbelastung von Abwasser. Mit Ausnahme der hochindustrialisierten Länder wird der Großteil des Abwassers überall ohne angemessene Behandlung direkt in die Umwelt abgeleitet. Dies schädigt die menschliche Gesundheit, die Wirtschaftskraft, die Qualität der natürlichen Süßwasservorkommen und die Ökosysteme.

ABWASSER: GLOBALE TRENDS (Quelle: Weltwasserbericht der Vereinten Nationen 2017)

Länder mit hohem Pro-Kopf-Einkommen behandeln im Schnitt etwa 70 Prozent ihres kommunalen und industriellen Abwassers. In Ländern mit Einkommen im oberen Durchschnittsbereich sind es 38 Prozent, in solchen mit Einkommen im unteren Durchschnittsbereich 28 Prozent. In Ländern mit geringem Einkommen werden lediglich 8 Prozent in irgendeiner Form behandelt. Diese Schätzungen unterfüttern die häufig getroffene Aussage, dass weltweit mehr als 80 Prozent des Abwassers unbehandelt abgeleitet werden. Länder mit hohem Einkommen behandeln Abwasser meist vor allem deswegen mit fortschrittlichen Verfahren, um entweder den Zustand der natürlichen Umwelt zu erhalten oder, im Fall von Wasserknappheit, alternative Formen der Wasserversorgung zu erschließen. Dabei bleibt es weltweit gesehen der Standard, Abwasser unbehandelt einzuleiten. Dies trifft insbesondere auf Entwicklungsländer zu, wo es an Infrastruktur, technischen und institutionellen Kapazitäten und an Finanzen fehlt.

Was machen Wassertechniker?

Wassertechnikerinnen und Wassertechniker überwachen, beurteilen, warten und reparieren Wasserinfrastruktur - Infrastruktur, die den Menschen, der Industrie, der Landwirtschaft, der Ökologie und der Energieproduktion dient. Wassertechniker verhindern auch, dass städtische und ländliche Gebiete überflutet werden. Sie überwachen Wasser in Notfällen wie Überschwemmungen und Dürren.

Wo sind Wassertechniker tätig?

Wassertechniker betreiben Wasseranlagen und Wasserversorgungssysteme. Sie stellen Hausanschlüsse für die Wasserver- und Abwasserentsorgung her. Sie arbeiten auch in Abwasserkanälen, Kanalisationssystemen, Kläranlagen und Schlammbehandlungsanlagen.

Sie können für industrielle und landwirtschaftliche Wassernutzer arbeiten, um sicherzustellen, dass Wasser in der benötigten Qualität und Menge produziert und in guter Qualität an die Natur zurückgegeben wird.  

Was müssen Wassertechniker wissen?

Wassertechniker müssen ökologische Systeme verstehen, insbesondere den Wasserkreislauf. Sie müssen über mechanische, biologische und chemische Fähigkeiten verfügen, um eine ordnungsgemäße Wasser- und Abwasserbehandlung sicherzustellen. Sie müssen auch über zwischenmenschliche Fähigkeiten wie Kommunikation, Teamarbeit und Stresstoleranz verfügen.

Was sind die Verantwortlichkeiten der Wassertechniker?

Wassertechniker sind in der Lage, Pumpen zu warten, Wasserlecks und Wasserzähler zu reparieren. Sie erledigen tägliche Aufgaben wie das Messen des Wasserdurchflusses und der Wasserqualität. Sie beurteilen auch Kontrollsysteme und führen standardisierte elektrische Reparaturen durch. Sie sind in der Lage, mit Messgeräten wie Sensoren und Photometern umzugehen.

Zusätzlich werden Wassertechniker für Notfallsituationen wie unerwartete Verschmutzung, Regenwasser, Überschwemmungen und Dürren ausgebildet.

 

WorldSkills Kazan 2019 - Deutschland macht den 5. Platz

Der deutsche Abwasserprofi Lukas Kohl hat auf seiner Rückreise von der Weltmeisterschaft der Berufe in Kazan gleich zwei Medaillen im Gepäck. Eine Excellenz-Medaille, weil er von möglichen 1.000 Punkten mehr als 700 erreicht hat. Und den "Sustainable Practice Award", der umweltbewusstes Arbeiten und den nachhaltigen Umgang mit Arbeitsmaterialien auszeichnet. In der Gesamtwertung schaffte es der 22jährige in seinem Skill "Water Technology" auf den fünften Platz. Gold ging an China und wegen annähernder Punktgleichheit an Indien, Bronze konnte Singapur erstreiten.

"Wir sind sehr stolz auf Lukas", sagt Rüdiger Heidebrecht, Leiter der Abteilung Bildung und Internationale Zusammenarbeit bei der DWA und vehementer Verfechter des Konzepts des lebenslangen Lernens. "Berufswettbewerbe fördern die Entwicklung junger Menschen. Da kommt es weniger darauf an, letztendlich auf dem Siegertreppchen zu stehen."

Heidebrecht hatte in der Abwasserbranche die Idee zur Teilnahme an beruflichen Skills ins Rollen gebracht, zunächt auf nationaler Ebene und seit 2013 auch über WorldSkills International. Das Skill „Water Technology“ fand dieses Jahr erstmalig als offizielles Skill statt. Lukas Kohl, der bei der Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg arbeitet, konnte sich für WorldSkills qualifizieren, weil er im vergangenen Jahr beim Water Skill der DWA während der Industrie- und Umweltmesse IFAT in München und im anschließenden Auswahlverfahren als Bester abgeschnitten hat. Gute Leistungen in nationalen Vorentscheiden gehen einer Teilnahme an der Weltmeisterschaft der Berufe voraus.

In Russland haben sich vom 22. bis 27. August 2019 elf Nationen am Skill "Water Technology" beteiligt. Insgesamt waren mehr als 1.350 junge Leute aus rund 60 Ländern in 56 unterschiedlichen Disziplinen am Start. Die deutsche Nationalmannschaft hatte 39 Fachkräfte mit unterschiedlichen Berufen aus Industrie, Handwerk und Dienstleistung vor Ort. Das deutsche Team landete durch zwei Goldmedaillen und eine Bronzemedaille sowie weiteren 20 Exzellenz-Medaillen auf Platz 13 der Medaillenwertung.