Wahrscheinlich sagt Ihnen der Ausdruck Kamishibai nur etwas, wenn Sie Eltern oder Bezugsperson kleinerer Kinder sind. Diese besondere Form des Geschichtenerzählens wird erst seit einigen Jahren in deutschen Kindergärten eingesetzt, ist inzwischen aber sehr beliebt und verbreitet.
Was ist also Kamishibai? Stellen Sie sich ein kleineres (Holz-)Gestell vor, das ungefähr wie ein Puppentheater aussieht. Der Bühnenrahmen ist so doppelt angelegt, dass große illustrierte Karten (A3) hinein gesteckt werden können (in unserem Fall sind es 15 Karten). Diese Karten zeigen die Bilder einer Geschichte. Während jemand die Geschichte erzählt oder vorliest, werden die Karten im Rahmen immer wieder durchgewechselt bis zum Ende der Geschichte.
Durch die größere Darstellung der Bilder und durch die 'Inszenierung' als Theater sind die Kinder gleich voll dabei und tauchen in die Geschichte ein.
So sieht Kamishibai in der Praxis aus
In Zusammenarbeit mit dem Hennefer Amt für Kinder, Jugend und Familie haben wir die Karten in der Praxis testen lassen. Diese Rückmeldung haben wir bekommen:
"Anhand des Titelbildes haben wir heute Trulli Tropf kennengelernt. Da im gleichen Zimmer auch ein Waschbecken ist, haben die Kinder schnell auf den Zusammenhang geschlossen und auch das Abwasserrohr entdeckt.
In einer Kleingruppe von ca. 5 Kindern im Alter von 4-6 Jahren können die Bilder im Rahmen gut betrachtet werden. Die Geschichte ist für die Kinder gut nachvollziehbar. Wir waren dann noch mal im intensiveren Austausch, weil die Kinder sich fragen, wie die Wassertropfen sich den Schmutz zum besseren Transport teilen.
Mit Klopapier, Kacka und Pipi sowie Essensresten konnten die Kinder das Prinzip des Teilens verstehen und berichteten auch von eigenen Erfahrungen, wenn eine Toilette verstopft ist. Tabletten die sich im Wasser auflösen und das Wasser auch in der Kläranlage die Wirkstoffe nicht wirklich bzw. sehr schwer entzogen werden können, war für dieses Alter noch etwas abstrakt.
Die Kinder waren froh, dass Trulli nur geträumt hat und konnten auch das Schlussbild mit der Zuordnung „Was gehört wohin - Toilette/Mülleimer“ gut erklären. Ich denke, wenn die Kinder beim nächsten Mal auf der Toilette sitzen, wird ihnen die Geschichte bestimmt wieder in Erinnerung kommen. Der Abspül-Vorgang wird dann garantiert mit anderen Augen beobachtet.
Die Karten passen vom Format genau in das Kamishibai und sind gut handelbar. Die Kinder aus der Kita „Haus am Allner See“ hatten viel Spaß."
Zum Tag des Kindergartens am 21. April bringt die DWA das Thema Wasser und Abwasser auf besondere Weise zu den Jüngsten: Mit dem Kamishibai‑Papiertheater und der Geschichte „Aufregung im Abwasserrohr“ erleben Kinder die spannenden Abenteuer von Trulli Tropf – altersgerecht, anschaulich und mit viel Raum für Neugier und Fragen.
Am 14. April stellte DWA-Vorständin Dr. Lisa Irwin-Broß die Kamishibai-Karten erstmals im Städtischen Kindergarten Allner in Hennef vor. Die Kinder tauchten gemeinsam in die bislang verborgene Welt unter unseren Straßen ein und erfuhren spielerisch, was mit dem Wasser passiert, nachdem es im Abfluss verschwunden ist.
"Wenn wir Kinder für Wasser interessieren, lernen sie, es zu schätzen und tragen diese Haltung in ihre Familien", sagte Irwin-Broß.
Geschichten, die Türen öffnen.
Die Lesung im Kindergarten Allner zeigte eindrucksvoll, wie wirkungsvoll dieses Format ist: Die Kinder hörten aufmerksam zu, stellten viele Fragen und diskutierten lebhaft darüber, was mit Wasser nach dem Abfluss geschieht. So entsteht ein erster Zugang zu einem komplexen Thema – ohne Belehrung, dafür mit Spannung und Fantasie.
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