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Starkregen, Hitze, Trockenheit – Wasser zentraler Baustein der Klimaanpassung

Mehr Tempo bei wasserbewusster Stadtentwicklung, Stärkung des Landschaftswasserhaushalts und rechtlichen Reformen

23. September 2026. Milliardenschäden durch Niedrigwasser und mehr als 15.000 Hitzetote allein im Juni, Juli und August, katastrophale Überflutungen durch Starkregen - als Folge des Klimawandels nehmen Extremwetterereignisse mit zum Teil verheerenden Konsequenzen in Deutschland stetig zu. Der Klimaschutz muss forciert, gleichzeitig die Klimaanpassung schnell und flächendeckend vorangetrieben werden, Wasser ist der zentrale Baustein. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) fordert zum Extremwetterkongress in Hamburg, Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern, Städte konsequent nach dem Schwammstadt-Prinzip umzubauen und den Landschaftswasserhaushalt zu stärken. „Wasser entscheidet darüber, wie sicher und lebenswert unsere Städte und Regionen künftig sind. Deshalb müssen Klimaanpassung und Wasserresilienz jetzt zum Maßstab politischen Handelns werden“, sagt DWA-Vorständin Dr. Lisa Irwin-Broß.

Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankern

Klimaanpassung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Städte und Gemeinden, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Flächeneigentümer*innen, Unternehmen sowie Bund und Länder tragen gemeinsam Verantwortung dafür, Wasser in Landschaften und Siedlungen zu halten, um dadurch Risiken durch Extremwetter zu verringern und die natürlichen Wasserressourcen zu sichern.

Die Herausforderungen durch Klimawandel und Extremwetter betreffen alle Regionen Deutschlands. Gleichzeitig übersteigen die Investitionen in klimaresiliente Infrastruktur oft die finanziellen Möglichkeiten einzelner Kommunen. Die DWA fordert deshalb, Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern. Nur so lassen sich die notwendigen Investitionen dauerhaft, planbar und gemeinsam von Bund, Ländern und Kommunen finanzieren.

Wasserbewusste Stadtentwicklung zum Standard machen

Städte müssen künftig stärker nach dem Schwammstadt-Prinzip entwickelt werden. Regenwasser soll möglichst vor Ort versickern, gespeichert, verdunstet und genutzt werden. Grünflächen, Bäume, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie multifunktionale Freiräume leisten gleichzeitig Beiträge zum Überflutungsschutz, zur Kühlung der Städte und zur Verbesserung der Lebensqualität.

Wasserwirtschaft, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Wohnungswirtschaft, Kommunen und Politik müssen frühzeitig und dauerhaft zusammenarbeiten. Die von der DWA initiierte Allianz „Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung“ zeigt, wie ein solcher Schulterschluss gelingen kann. Sie bündelt Kompetenzen unterschiedlicher Akteur*innen und setzt sich dafür ein, Wasser und Stadtgrün als prägenden Bestandteil der Siedlungsplanung zu verankern.

Die Ziele einer klimaresilienten und wasserbewussten Entwicklung müssen sich stärker im Rechtsrahmen widerspiegeln. Die DWA sieht dabei insbesondere im Baugesetzbuch erheblichen Anpassungsbedarf. Wasserbelange sollten frühzeitig und verbindlich in Planungs- und Genehmigungsverfahren berücksichtigt werden. Das Wasserhaushaltgesetz muss zeitnah so verändert werden, dass Niederschlag als Ressource verstanden wird und entsprechend bewirtschaftet werden kann.

Kommunen benötigen darüber hinaus rechtssichere Instrumente, um Flächen für Wasserrückhalt, Versickerung, Verdunstung und Überflutungsvorsorge zu sichern. Die wasserbewusste Stadtentwicklung muss sich als selbstverständlicher Bestandteil einer nachhaltigen Bauleitplanung etablieren.

Landschaftswasserhaushalt stärken

Die DWA fordert einen grundlegenden Perspektivwechsel im Umgang mit Wasser in der Fläche. Über Jahrzehnte wurde Wasser vielerorts möglichst schnell abgeführt. Künftig gilt es, Wasser in der Landschaft zu halten, natürliche Speicherfunktionen zu stärken und den Wasserrückhalt zu verbessern. Auen, Moore und Böden müssen ihre natürlichen Schwammfunktion wiedererlangen – Speicherung bei intensiven Niederschlägen, Wasserabgabe in Trockenzeiten. Nur so können die Folgen von Starkregen minimiert werden, nur so kann die Wasserversorgung von Natur, Gesellschaft und Industrie in Trockenphasen gesichert werden

Zehn zentrale Handlungsnotwendigkeiten der DWA

  1. Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankern
  2. Wasserbewusste Stadtentwicklung bundesweit zum Planungsstandard machen
  3. Das Baugesetzbuch und weitere Fachgesetze auf Klimaanpassung ausrichten
  4. Regenwasser vor Ort bewirtschaften und die Schwammstadt konsequent umsetzen
  5. Den Landschaftswasserhaushalt stärken und Wasser in der Fläche halten
  6. Überflutungsvorsorge als festen Bestandteil kommunaler Planung etablieren
  7. Investitionen in klimaresiliente Wasserinfrastrukturen langfristig absichern
  8. Dürre- und Trockenheitsvorsorge stärker in Politik und Planung integrieren
  9. Natürliche Wasserspeicher wie Böden, Gewässer, Auen und Vegetation schützen und entwickeln
  10. Wasser Wertschätzen – nur was geschätzt wird, wird geschützt

Wasserresilienz als Leitprinzip etablieren

Mit dem Wasserresilienz-Pakt hat die DWA Ende August konkrete Schritte für einen zukunftsfähigen Umgang mit Wasser aufgezeigt. Die zunehmenden Extreme aus Trockenphasen, Hitzewellen, Starkregen und Überflutungen verdeutlichen, dass Wasservorsorge, Flächenmanagement und Klimaanpassung künftig stärker zusammen gedacht werden müssen.

Der Extremwetterkongress macht deutlich: Die notwendigen Lösungen sind bekannt. Jetzt kommt es darauf an, die Rahmenbedingungen zu schaffen und die Umsetzung konsequent zu beschleunigen. Die DWA steht bereit, diesen Prozess mit ihrer fachlichen Expertise zu unterstützen.

 

Grafik Wasserresilienz-1

Grafik Wasserresilienz-2