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Wer Deutschlands Resilienz stärken will, muss in natürliche Infrastruktur investieren

Civey-Umfrage: Leistungen von Flüssen, Auen und Mooren bleiben für viele Menschen unsichtbar

17. September 2026.  „Große Ströme wie die Donau, der Rhein oder die Garonne trocknen vor unseren Augen aus. ( …) Wir kennen die Risiken des Wassermangels für unsere Landwirtschaft, die Energie und die Versorgungsketten.“. Deutliche und mahnende Worte von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union. Sie machen deutlich, wie wichtig intakte Flüsse, Auen und Moore für Wassersicherheit, Klimaanpassung und die wirtschaftliche Stabilität Europas sind. Die meisten Deutschen nehmen diese vor allem als Lebensraum für Pflanzen und Tiere war, zudem als wichtige Komponente beim Schutz vor Extremwettereignissen. Die hohe Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft wird hingegen von der großen Mehrheit deutlich unterschätzt. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). Die DWA fordert, natürliche Wasserspeicher gezielt zu stärken. „Als natürliche Infrastruktur verdienen Flüsse, Auen und Moore dieselbe Aufmerksamkeit wie technische Infrastruktur“, sagt DWA-Vorständin Dr. Lisa Irwin-Broß. „Ohne funktionierende aquatische Ökosysteme keine wirtschaftliche Entwicklung und keinen Schutz vor Extremwetterereignissen.“

Die Civey-Umfrage offenbart widersprüchliche Einschätzungen. Der Großteil der Bevölkerung, 72 Prozent, hält Flüsse, Auen und Moore vor allem als Lebensräume für Tiere und Pflanzen für besonders wichtig. Rund 40 Prozent sehen wasserabhängige Ökosysteme als Lebensversicherung gegen Dürre, Hochwasser und Wasserknappheit. Deutlich geringer aber die Wertschätzung des Wassers für Wirtschaft und Gesellschaft. Den wirtschaftlichen Standortfaktor Wasser für Produktion und Transport nennt nicht einmal jeder Fünfte, den Freizeitwert nur jeder Zehnte.

Demgegenüber steht eine beeindruckende Wertschätzung für Flüsse und Kanäle als Wasserstraßen. 90 Prozent der Befragten stufen die Flüsse und Kanäle für den Warentransport als ebenso wichtig ein wie das Straßensystem. Die Menschen erkennen die Infrastrukturleistung von Flüssen und Kanälen, ordnen sie aber selten dem gesamten aquatischen Ökosystem zu.

Wasserstraßen brauchen Wasser

Wasserstraßen brauchen Wasser, ohne ausreichend Wasser in den Flüssen, keine Schifffahrt, kein Wassertransport. Vertiefte Fahrrinnen sind keine langfristige und nachhaltige Lösung zur Sicherung der Binnenschifffahrt. Wenn Wasser fehlt, hilft auch eine vertiefte Fahrrinne nur kurzfristig. Notwendig ist ein naturnaher Landschaftswasserhaushalt, der Wasser bei intensiven Niederschlägen zurückhält und es an Grundwasser, Bäche und Flüsse in Trockenzeiten wieder abgibt.

Flüsse und Kanäle sind wichtige Verkehrsadern der deutschen Wirtschaft. 2025 wurden laut dem Statistischen Bundesamt 172 Mio. t Güter auf deutschen Wasserstraßen transportiert. Ohne die Binnenschifffahrt wären allein 2025 rund sieben Mio. LKW-Fahrten mehr notwendig gewesen.

Sinken die Pegelstände in den Flüssen, werden wichtige Lieferketten unterbrochen, Produktions- und Lieferengpässe sind die direkte Folge. Im Trockenjahr 2018 lagen die wirtschaftlichen Schäden durch die niedrigen Pegelstände insbesondere des Rheins bei 2,4 Mrd. €. Erste Schätzungen für den Sommer 2026 gehen von noch höheren Beträgen aus.

Hohe Akzeptanz für Investitionen in natürliche Infrastruktur

Die Umfrage-Ergebnisse zeigen: Für Investitionen in natürliche Infrastruktur ist eine hohe Akzeptanz vorhanden, die Befragten weisen insbesondere der Binnenschifffahrt eine sehr hohe Bedeutung zu. Eine klare Aufforderung an die Politik, sich verstärkt für die natürliche Infrastruktur einzusetzen und deren Funktionen für die Gesellschaft nachhaltig zu sichern.

Investitionen in natürliche Infrastruktur schaffen einen mehrfachen Nutzen: Sie stärken den Hochwasserschutz, fördern die biologische Vielfalt, unterstützen die Anpassung an den Klimawandel und sichern die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland.

Wer Deutschlands Resilienz stärken will, muss in natürliche Infrastruktur investieren.

Bildunterschriften
Grafik 1: Wasserabhängige Ökosysteme – Bedeutung für die Wirtschaft deutlich unterschätzt
Grafik 2: Verkehrsweg Wasser hat gleiche Bedeutung wie das Straßensystem