Hennef, 1. November 2026. Die DWA initiiert die Gründung einer neuen Arbeitsgruppe, die sich mit Nachhaltigkeits- und Carbon-Footprint-Fragestellungen im Wasser- und Flussbau befasst.
In der Wasserwirtschaft gewinnen der nachhaltige Neu- und Umbau von Infrastrukturen sowie der Beitrag zum Klimaschutz zunehmend an Bedeutung. Insbesondere die systematische Erfassung und Bewertung von Treibhausgasemissionen (Carbon Footprint) stehen dabei im Fokus von Gesetzgebung, Verwaltung, Fördermittelgebern und Auftraggebern. Vor diesem Hintergrund initiiert die DWA die Gründung einer neuen Arbeitsgruppe, die sich mit Nachhaltigkeits- und Carbon-Footprint-Fragestellungen im Wasser- und Flussbau befasst.
Ausgangslage und Handlungsbedarf
Inzwischen bestehen auf europäischer und nationaler Ebene vielfältige Anforderungen, die eine Auseinandersetzung mit den CO₂-Emissionen von Infrastrukturvorhaben erforderlich machen. Dazu zählen unter anderem die EU-Taxonomieverordnung, das Bundes-Klimaschutzgesetz, landesrechtliche Klimaschutzvorgaben sowie ESG-Berichtspflichten. Ergänzt werden diese unter anderem durch Zertifizierungssysteme und vergaberechtliche Anforderungen, die zunehmend Nachhaltigkeits- und Klimaschutzaspekte berücksichtigen.
Während im Hochbau heute weitgehend standardisierte Methoden zur Ökobilanzierung etabliert sind – einschließlich normierter Lebenszyklusanalysen, hoher Verfügbarkeit von Umweltproduktdeklarationen und anerkannter Bewertungssysteme –, befindet sich der Tief- und Wasserbau noch in einer frühen Entwicklungsphase. Für wasserbauliche Anlagen und Flussbaumaßnahmen fehlen bislang einheitliche Bewertungsrahmen, belastbare Vergleichsmaßstäbe sowie praxisnahe Darstellungsformate. Gleichzeitig stellen die Heterogenität der Bauwerke, die große Bedeutung von Logistik und Erdbewegung sowie die enge Verzahnung mit geotechnischen Fragestellungen besondere methodische Herausforderungen dar.
Zunehmend ist jedoch zu beobachten, dass Bundes- und Landesbehörden, Wasserstraßen- und Gewässerverwaltungen, Kommunen sowie Umwelt-/ Natur- und Verbraucherschutzorganisationen CO₂-Indikatoren einfordern, etwa im Rahmen von Variantenuntersuchungen, Klimaschutzfachbeiträgen oder Pilotprojekten zu klimafreundlichem Wasserbau. Die Wasserwirtschaft steht somit vor der Aufgabe, geeignete fachliche Grundlagen zu entwickeln, um zukünftige Anforderungen sachgerecht beantworten zu können.
Ziel des Vorhabens
Die Arbeitsgruppe wird einen fachlich fundierten und zugleich praxisorientierten Beitrag zur systematischen Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Carbon Footprint in der Wasserwirtschaft bzw. im Wasserbau leisten. Ziel ist die Entwicklung eines einheitlichen Orientierungsrahmens, der die Besonderheiten wasserwirtschaftlicher Anlagen berücksichtigt und eine transparente, nachvollziehbare Bewertung der Nachhaltigkeit einschließlich der Treibhausgasemissionen ermöglicht. Im Vordergrund steht dabei die Erarbeitung von Grundlagen und Anwendungshilfen, die Planer*innen, Verwaltungen und Maßnahmenträger*innen bei Entscheidungsprozessen unterstützen und in weiterführende DWA-Regelwerke einfließen können.
Inhalte und Arbeitsschwerpunkte
Die Arbeitsgruppe wird sich unter anderem mit folgenden Aspekten befassen:
• Methodischer Rahmen und Konkretisierung der Bewertungsinhalte: Definition und Priorisierung relevanter Nachhaltigkeitsaspekte, Lebenszyklusphasen und Systemgrenzen für Wasserbauwerke und Flussbaumaßnahmen. Festlegung geeigneter Bezugsgrößen sowie Abgrenzung von Bau-, Betriebs- und Logistikemissionen. Fokussierung auf praktikable und entscheidungsrelevante Parameter.
• Entwicklung geeigneter Bewertungs- und Darstellungsformate: Identifizierung, Erarbeitung oder Weiterentwicklung strukturierter, standardisierter und praxisgerechter Formate zur Darstellung von CO₂-Bilanzen, die phasenbezogene (zum Beispiel Planung und Bau) Bewertungen ermöglichen und systematische sowie transparente Variantenvergleiche, etwa hinsichtlich Bauweisen, Materialeinsatz oder Bauverfahren, unterstützen.
• Praxisnahe Anwendung: Es soll ein anwendungsorientiertes „Produkt“ abgeleitet werden, das direkt in Planung, Verwaltung und Entscheidungsprozessen genutzt werden kann. Denkbar sind beispielsweise modulare Entwurfstafeln, ein Leitfaden oder Bewertungshilfen für Gewässerentwicklungsmaßnahmen und gängige wasserbauliche Ingenieurbauwerke wie Deiche, Schleusen und Wehre.
Organisation und Kooperation
Das Vorhaben ist im Hauptausschuss Wasserbau eingebettet. In der dem Fachausschuss WW-7 zugeordneten Arbeitsgruppe sollen Vertreter*innen aus Planungspraxis, Anlagenbetrieb, Verwaltung, Aufsichtsbehörden, Wissenschaft und Industrie eingebunden werden. Es ist eine enge fachliche Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik e. V. (DGGT), insbesondere deren Arbeitskreis 6.7 „Nachhaltigkeit in der Geotechnik“, vorgesehen, um die engen Schnittstellen zwischen Wasserbau und Geotechnik zu integrieren und zu synergetisieren.
Zur Mitarbeit sind interessierte Fachleute mit entsprechenden Kenntnissen eingeladen. Wir bitten, eine Interessensbekundung mit einer kurzen Darstellung der eigenen Person an die DWA-Bundesgeschäftsstelle zu übersenden. Bewerbungen von jungen Berufskolleg*innen sind herzlich willkommen.
DWA-Bundesgeschäftsstelle
Dipl.-Geogr. Dirk Barion
Theodor-Heuss-Allee 17
53773 Hennef
Tel. 0 22 42 872-161
E-Mail: barion@dwa.de
Organisatorische Ansprechpartnerin:
Sylvia Sölter
Tel. 0 22 42/872-207
E-Mail: soelter@dwa.de
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.
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