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Extremwetter erwarten fast alle – Vorsorge treffen nur wenige

Fünf Jahre nach der Ahrtal-Katastrophe: DWA-Umfrage zeigt große Lücke zwischen Risikobewusstsein und Handeln

Hennef. Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal rechnen die meisten Menschen in Deutschland mit mehr Starkregen, Hitze und Trockenheit. Für den eigenen Wohnort sehen viele jedoch kaum Gefahr – und verzichten auf Schutzmaßnahmen. Das zeigt eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA).

Mehr als 70 Prozent der Befragten erwarten, dass Extremwetterereignisse infolge des Klimawandels künftig häufiger auftreten werden. Fast jede zweite Person gibt an, sich seit der Ahrtal-Katastrophe im Jahr 2021 stärker vor Wetterextremen zu sorgen. Gleichzeitig hält nur jede fünfte Person es für wahrscheinlich, dass der eigene Wohnort oder die eigene Wohnung in den kommenden fünf Jahren von einer Überflutung durch Hochwasser oder Starkregen betroffen sein könnte.

Die Folge: Vorsorge bleibt oft aus. Nur 23 Prozent der Befragten haben bislang Maßnahmen zum Schutz vor Überflutungen umgesetzt, etwa Rückstauklappen eingebaut oder Kelleröffnungen gesichert. Knapp 70 Prozent haben keine Maßnahmen ergriffen.

„Die Menschen wissen, dass Extremwetter zunimmt. Viele glauben aber weiterhin, dass es vor allem andere trifft. Genau hier liegt die Herausforderung“, sagt DWA-Vorständin Dr. Lisa Irwin-Broß anlässlich des fünften Jahrestags der Ahrtal-Katastrophe am 14. Juli. „Extremwetter kann heute nahezu jede Region Deutschlands treffen. Wir brauchen mehr Aufklärung über lokale Risiken und mehr Eigenvorsorge. Schutz vor Überflutung, Trockenheit und Hitze gelingt nur im Zusammenspiel von Kommunen, Wasserwirtschaft und Bevölkerung.“

Risiken werden unterschätzt

Die Umfrage zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen der Einschätzung gesellschaftlicher Risiken und der Wahrnehmung persönlicher Betroffenheit. Während mehr als drei Viertel der Befragten von häufiger auftretenden Starkregenereignissen, Hitzeperioden und Trockenheit ausgehen, schätzen drei von vier Personen das Überflutungsrisiko am eigenen Wohnort als gering oder sehr gering ein.

Auch das Vertrauen in staatliche Schutzmaßnahmen fällt ambivalent aus: Knapp die Hälfte der Befragten fühlt sich durch öffentliche Maßnahmen und Warnsysteme ausreichend geschützt. Gleichzeitig halten 41 Prozent diese Maßnahmen für nicht ausreichend.

Eigenvorsorge und kommunale Verantwortung zusammen denken

Aus Sicht der DWA braucht wirksame Klimaanpassung sowohl öffentliche Investitionen als auch private Vorsorge. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist eine verständliche und flächendeckende Information über örtliche Risiken. Dazu gehören insbesondere leicht zugängliche Starkregengefahrenkarten sowie eine stärkere Verankerung des Starkregenrisikomanagements im Wasserrecht und in der kommunalen Bauleitplanung.

Wasser in der Landschaft halten

Neben dem Schutz vor Überflutungen bleibt der Umgang mit Trockenheit und Hitze eine zentrale Aufgabe der Klimaanpassung. Dafür braucht es einen ausgeglichenen Landschaftswasserhaushalt und einen stärkeren Wasserrückhalt in Städten und Regionen. Wasser muss in Böden, Vegetation und Landschaft gespeichert werden. Entsiegelung, Gewässer- und Auenrenaturierung sowie eine klimaangepasste Stadtentwicklung leisten hierzu wichtige Beiträge. Sie mindern die Folgen von Starkregen und stärken gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenperioden.

Kommunikation entscheidet über Vorsorge

Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich: Das Wissen über zunehmende Extremwetterereignisse ist vorhanden. Die eigene Betroffenheit wird jedoch häufig unterschätzt. Daraus ergibt sich der klare Auftrag für Politik, Kommunen und Fachinstitutionen, Risiken verständlich zu vermitteln und Menschen zur Vorsorge zu motivieren.

Die DWA unterstützt Kommunen und Wasserwirtschaft unter anderem mit dem neuen Merkblatt „Hochwasserrisikokommunikation“. Ergänzend bietet das DWA-Audit Überflutungsvorsorge ein bundesweit anerkanntes Verfahren zur Bewertung und Weiterentwicklung kommunaler Strategien gegen Starkregen und Überflutungen.

Das Meinungsforschungsinstitut Civey, Berlin, hat Ende Juni 2026 im Auftrag der DWA bundesweit 2.500 Personen zur Wahrscheinlichkeit von Extremwettereignissen, der eigenen Betroffenheit und den Einfluss der Ahrtalkatastrophe im Jahr 2021 auf die eigene Einschätzung befragt.

Die Grafiken zur Umfrage:

Schutz durch öffentliche Maßnahmen

Extreme Wettereignisse zu

Kaum Eigenvorsorge gegen Überflutung

Ahrtal hat Risikobewusstsein erhöht

Geringes eigenes Risikoempfinden