Pandemiemaßnahmen in Abwasserbetrieben

Information des DWA-Fachausschusses BIZ-4 „Arbeits- und Gesundheitsschutz“

(überarbeiteter Stand 20. April 2020)

Welche Pandemiemaßnahmen können Betreiber abwassertechnischer Anlagen ergreifen um sowohl die Gesundheit der Beschäftigten bestmöglich zu schützen als auch die Funktionsfähigkeit der Abwasseranlagen sicherzustellen?
Hierzu hat der DWA-Fachausschuss BIZ-4 „Arbeits- und Gesundheitsschutz“ eine Mustervorlage für einen Pandemieplan erstellt, der von Betreibern abwassertechnischer Anlagen unterschiedlicher Größenordnung auf die eigenen Verhältnisse angepasst werden kann.

2. Ziele und Grundsätze

Übergeordnete Ziele

Der Pandemieplan für den Abwasserbetrieb orientiert sich grundsätzlich an den Zielen der Pandemieplanung des Robert Koch Instituts für Deutschland.

  • Verhinderung der Ausbreitung durch Fallfindung und Absonderung von engen Kontaktpersonen
  • Schaffung von sozialer Distanz bzw. Vermeidung physischer Nähe von Personen
  • Gezielter Schutz von vulnerablen Personengruppen

Ziele der betrieblichen Maßnahmenplanung

  • Gesundheitsschutz: Das Ansteckungsrisiko der Mitarbeitenden wird deutlich vermindert. Hierzu ist neben hygienischen Maßnahmen insbesondere die drastische Reduzierung bzw. die aufgabenadäquate Regulierung dienstlicher Sozialkontakte sowie die Vermeidung der physischen Nähe von Personen erforderlich.
  • Betriebssicherheit: Die Kernfunktionen des Abwasserbetriebes sind sicherzustellen. In der Vorstufe wird der Normalbetrieb soweit es geht aufrecht erhalten und dann den Pandemiephasen entsprechend angepasst, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten.
  • Ressourcenplanung: Die Organisationseinheiten verfügen über genügend Ressourcen, um ihre Rolle in der Bekämpfung/Eindämmung der Pandemie und ihrer Auswirkungen wahrnehmen zu können. Hierunter fallen sämtliche Bereiche des Abwasserbetriebes, in denen im Pandemiefall die Anwesenheit von Personal zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des Abwasserbetriebes unabdingbar erforderlich ist.

Grundsätze des Krisenmanagements

  1. Alle relevanten Aufgaben und konkrete Entscheidungsbefugnisse sind im Krisenmanagement festgelegt und konkreten Personen und deren Vertretungen zugewiesen.
  2. Regelungen zur internen und externen Krisenkommunikation sind festgelegt.
  3. Alle Beschäftigten sind hinsichtlich eines verantwortungsvollen Verhaltens und Gefahren während einer Pandemie am Arbeitsplatz und auch im privaten Umfeld informiert.
  4. Alle Beschäftigten sind über die Krisenorganisation und die damit ggf. verbundenen Änderungen in der Ablauforganisation informiert.
  5. Das Schlüsselpersonal für Kernprozesse ist identifiziert und Ersatzpersonal steht zur Verfügung.
  6. Soweit möglich, ist die Lagerhaltung zur Aufrechterhaltung des Betriebes bzw. eines Notbetriebes an Engpässe lagebedingt angepasst.
  7. Die Pläne für eine kontrollierte Stilllegung des Betriebes sind für den Fall aktualisiert, dass ein grundlegender Personalmangel eintritt.
  8. Alle zur Krisenbewältigung erforderlichen externen Einrichtungen (Zulieferer, Dienstleister, Behörden etc.) sind bekannt und bedarfsgerecht in die Informationsprozesse des Krisenmanagements eingebunden.
  9. Entscheidungen des Krisenmanagements werden dokumentiert und für die Nachbereitung der Krisenbewältigung vorgehalten.

Zentrale/dezentrale Struktur des Abwasserbetriebes

Abwasserbetriebe mit überwiegend dezentraler Anlagenstruktur und kleineren Anlagen haben in der Regel bessere Möglichkeiten, isolierte Betriebsbereiche zu schaffen, da die personellen und logistischen Schnittstellen weniger umfangreich sind und sich deshalb leichter unterbrechen lassen.

Darüber hinaus können Mitarbeiter vergleichbarer Anlagen gegebenenfalls den Betrieb einer anderen Anlage komplett übernehmen, sofern dort das Personal durch Erkrankung bzw. Quarantäne ausfällt.

Kleinere Abwasserbetriebe können bestimmte Funktionen eventuell auch in Kooperationen mit anderen Betreibern beispielsweise im Rahmen der DWA Kanal- und Kläranlagennachbarschaften koordinieren.

3. Stufenplan Pandemie

Stufenplan Pandemie

4. SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat am 16.04.2020 gemeinsam mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung einen einheitlichen betrieblichen Infektionsschutzstandard gegen das Coronavirus definiert.

Anlage 1: Arbeitsschutzstandard SARS-CoV-2

Dieser enthält unter anderem Vorgaben für ein betriebliches Maßnahmenkonzept für zeitlich befristete zusätzliche Maßnahmen zum Infektionsschutz vor SARS-CoV-2 (SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard)

Besondere technische Maßnahmen

  • Arbeitsplatzgestaltung
  • Sanitärräume, Kantinen und Pausenräume
  • Lüftung von Räumen
  • Infektionsschutzmaßnahmen für Baustellen, Außen- und Lieferdienste, Transporte und Fahrten innerhalb des Betriebs
  • Infektionsschutzmaßnahmen für Sammelunterkünfte
  • Homeoffice
  • Dienstreisen und Meetings

Besondere organisatorische Maßnahmen

  • Sicherstellung ausreichender Schutzabstände
  • Arbeitsmittel/Werkzeuge
  • Arbeitszeit- und Pausengestaltung
  • Aufbewahrung und Reinigung von Arbeitsbekleidung und PSA
  • Zutritt betriebsfremder Personen zu Arbeitsstätten und Betriebsgelände
  • Handlungsanweisungen für Verdachtsfälle
  • Psychische Belastungen durch Corona minimieren

Besondere personenbezogene Maßnahmen

  • Mund-Nase-Schutz und Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
  • Unterweisung und aktive Kommunikation
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge und Schutz besonders gefährdeter Personen

5. Verantwortungsbereiche, Personalbedarf und Organisation

5.1 Geschäftsleitung

Im Falle einer Pandemie hat die Geschäftsleitung die Verantwortung für folgende Aufgaben:

  • Die Geschäftsleitung trifft die Entscheidungen darüber, wie der Betrieb aufrechterhalten werden soll sowie welche besonderen Maßnahmen dazu erforderlich sind.
  • Die Geschäftsleitung legt fest, ab welchem Zeitpunkt bzw. unter welchen Rahmenbedingungen welche Maßnahmen umgesetzt werden.
  • Die Geschäftsleitung ist verantwortlich für die Mitarbeit in überbetrieblichen Gremien, Krisenstäben u. ä.
  • Die Geschäftsleitung ist verantwortlich für die Kommunikation und Koordination der Pandemiemaßnahmen des Abwasserbetriebes (nach innen und außen).
Geschäftsleitung des Abwasserbetriebes
  • N.N., E-Mail Adresse, telefonische Erreichbarkeit
Mindestpersonalbedarf für den Notdienst (Beispiel)
  • 1 Leitung
Arbeitsmodus in der Pandemiephase (Beispiel)
  • 1 Leitung vor Ort, 1 stellvertretende Leitung im Homeoffice, wöchentlicher Wechsel

5.2 Pandemie-Stab

Der Pandemie-Stab hat im Rahmen der Erarbeitung und Umsetzung dieses Maßnahmenplans folgende Aufgaben:

  • Erfassung der aktuellen Situation und entsprechende Anpassung der Pandemiemaßnahmenplanung
  • Vorbereitung von Entscheidungen der Geschäftsleitung zur Behebung der Krise und Koordinierung der hierfür erforderlichen Maßnahmen
  • Koordination aller Aspekte zum Informations- und Kommunikationswesen
  • Veranlassung von Informationen und Unterweisungen
  • Fachliche Recherchen
  • Kommunikation mit anderen Abwasserbetrieben und Fachverbänden
Der Pandemie-Stab setzt sich zusammen aus (Beispiel)
Koordination
  • N.N., E-Mail Adresse, telefonische Erreichbarkeit
Personal und Organisation
  • N.N., E-Mail Adresse, telefonische Erreichbarkeit
Kommunikation
  • N.N., E-Mail Adresse, telefonische Erreichbarkeit
Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  • N.N., E-Mail Adresse, telefonische Erreichbarkeit

5.3 Pandemie-Team

Das Pandemie-Team wird einberufen, um gemeinsam mit der Geschäftsleitung und dem Pandemie-Stab die Aufgaben und Vorgehensweisen vorzubereiten und umzusetzen, die notwendig sind, um die oben genannten Zielsetzungen zu erreichen.

Ein Pandemie-Team setzt sich notwendigerweise aus den nachfolgend aufgeführten Funktionen zusammen,
wobei je nach Betriebsgröße gewisse Funktionen von derselben Person wahrgenommen werden können oder
auch auf einzelne Funktionen verzichtet werden kann.

Betriebsärztlicher Dienst
Fachkraft für Arbeitssicherheit
Arbeitnehmervertretung - Personalrat
Bürokommunikation/ IT-Administration
Materialbeschaffung/Einkauf /Logistik/Gebäudemanagement
Grundstücksentwässerung
Kanalbetrieb
Klärwerk
Chemisch-biologische Laboratorien

 

5.4 Personal und Organisation

Im Falle einer Pandemie sind im Bereich Personal und Organisation entsprechend dem Stufenplan Pandemie (Kapitel 3) folgende Aufgaben wahrzunehmen

  • Analyse der innerbetrieblichen Funktionen: Im Rahmen des Maßnahmenkataloges werden die wichtigsten
    Prozesse sichergestellt, der erforderliche Personalbedarf ermittelt und die für den Betrieb unentbehrlichen Schlüsselfunktionen definiert.
  • Organisation eines Führungskonzepts im Pandemiefall.
  • Einbeziehung der notwendigen Beteiligten bzw. Betriebsbereiche.
  • Sicherstellung/Gewährleistung von Stellvertretungen.
  • Kompensation von Arbeitsausfällen soweit als möglich.
  • Organisation der personalwirtschaftlichen Maßnahmen.
  • Organisation des gezielten Schutzes und der Unterstützung vulnerabler Gruppe
  • Versetzung von Personal sowie Rekrutierung von zusätzlichem Personal.
  • Organisation der Personalstatusmeldungen in den Abteilungen.
 

Erfassung von pandemiebedingten Personalmeldungen

Anlage 2: Personalstatus-Tabelle

Organisation der Meldekette für COVID-19-Erkrankungen

Anlage 3: Meldekette

Unterstützung der Gesundheitsämter beim Management von Kontaktpersonen bei COVID-19-Erkrankungen

Anlage 4: Kontaktpersonenmanagement

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Kontaktperson/Management.html

Umgang mit Personal der kritischen Infrastruktur in Situationen mit relevantem Personalmangel

Anlage 5: Umgang mit Personal in Situationen mit relevantem Personalmangel

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Personal_KritIs.html

Festlegung individueller Maßnahmen zur Verhinderung der Krankheitsübertragung

Anlage 6: Verhaltensregeln zur Verhinderung der Krankheitsübertragung

 

Organisation der Verringerung von Personenkontakten

  • Organisation von räumlichen Anpassungen an die Pandemiesituation.
  • Organisation von häuslichem Arbeiten: Einsatzzeiten und Erreichbarkeit der Mitarbeitenden definieren sowie Koordination der Arbeitsabläufe von zu Hause aus.
  • Besprechungen und direkte Kommunikation in physischer Nähe vermeiden. Alternativen organisieren: EMail, Telefon- und Videokonferenzen.
  • Unumgängliche Besprechungen zeitlich so kurz wie möglich halten, großen Besprechungsraum wählen und Distanz (mindestens 1,5 bis 2m) zwischen den Besprechungsteilnehmenden einhalten oder wenn möglich im Freien abhalten.
  • Absagen von Treffen, Workshops, Fortbildungsveranstaltungen, Gemeinschaftsveranstaltungen etc.
  • Genehmigte Dienstreisen sollen nur im äußersten Notfall wahrgenommen werden und werden in einer Pandemiephase nicht mehr genehmigt.

Organisation des Arbeitsmodus der einzelnen Betriebsbereiche in der Pandemiephase

  • Aufteilung in getrennte Arbeitsgruppen sowie kontaktreduzierte Einzelarbeit.
  • Besonderer Schutz von Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf.
  • Regelmäßiger Wechsel zwischen Büro und Homeoffice, in der Regel wöchentliches Wechselintervall.
  • Mindestdauer der Abwesenheit 3 Kalendertage, um im Falle einer Infektion eine Querinfektion zwischen
    den Arbeitsgruppen ausschließen zu können.

 

5.5 Kommunikation

Im Falle einer Pandemie ist die Kommunikation so auszurichten, dass folgende Ziele erreicht werden:

  • Die Informationskanäle und Auskunftsstellen sind allen Mitarbeitenden bekannt.
  • Die Erreichbarkeit im Krisenfall ist sichergestellt (Namenslisten und Telefonnummern von Behörden, Partnern, Dienstleistenden, Mitarbeitenden, Medien usw.).
  • Die Mitarbeitenden werden über die Pandemie und die während einer Pandemie geltenden Maßnahmen unmittelbar informiert.

Im Ereignisfall ist darauf zu achten, dass

  • Klarheit über die Situation geschaffen wird.
  • die Mitarbeitenden beruhigt werden.
  • Gerüchte verhindert werden.
  • Vertrauen in die Geschäftsleitung, den Pandemie-Stab und die externen Dienststellen und Behörden gewährleistet wird.
  • die Solidarität gefördert wird.

Die Mitarbeitenden sollen in Bezug auf den Abwasserbetrieb informiert werden über

  • die aktuelle Lage und die Auswirkungen der Pandemie, Veränderungen sowie Entwicklungen.
  • personalrechtliche und organisatorische Maßnahmen.
  • Möglichkeiten für das häusliche Arbeiten.
  • Umgang mit Abwesenheit durch Erkrankung, durch Betreuung von Kindern oder Pflege von Angehörigen.
  • Maßnahmen, die für das persönliche Verhalten und für die betrieblichen Abläufe gelten.
  • Zuständigkeiten und Ansprechpartner*innen inner- und außerhalb des Abwasserbetriebes.
  • die Verteilung von Schutzmaterial, z. B. Schutzmasken, Hygienematerial.

Mindestpersonalbedarf für den Notdienst (Beispiel)

  • 1 Sachbearbeitung Kommunikation

 

5.6 Bürokommunikation/ IT-Administration

  • Aufrechterhaltung der notwendigen IT-Kommunikationsmittel und der dafür erforderlichen IT-Infrastruktur.
  • Prüfung bzw. Schaffung der technischen Voraussetzungen für mobiles Arbeiten.

Mindestpersonalbedarf für den Notdienst (Beispiel)

  • 1 bis 2 Sachbearbeitungen IT-Administration

 

5.7 Materialbeschaffung / Einkauf / Logistik / Gebäudemanagement

  • Ermittlung des Bedarfs an relevantem Material
  • Sicherstellung einer angemessenen Reichweite der Versorgung
  • Kontakt zu externen Lieferanten zwecks Sicherstellung der Lieferbereitschaft
  • Versorgung der Beschäftigten bzw. Betriebsstellen mit relevantem Material
  • Sicherstellung der Gebäudereinigung entsprechend den hygienischen Anforderungen.

Beschaffung von Schutzmasken im Zusammenhang mit SARS-CoV-2

Anlage 7: Übersicht Schutzmasken (BAuA)

https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/FAQ-PSA/FAQ-13.html

 

Mindestpersonalbedarf für den Notdienst (Beispiel)

  • 1 Sachbearbeitung Materialwirtschaft

 

5.8 Grundstücksentwässerung

Störungsbeseitigung im Kanalnetz bzw. an den Hausanschlüssen.

Mindestpersonalbedarf für den Notdienst (Beispiel)

  • 1 Person aus der Indirekteinleiter-Rufbereitschaft inkl. eines Dienstfahrzeugs

 

5.9 Kanalbetrieb

Die Störungsbeseitigung im Kanalnetz, in den Pumpwerken und Beckenanlagen sowie der Entstördienst für die Hausanschlüsse sind sicherzustellen.

Mindestpersonalbedarf für den Notdienst (Beispiel)

11 Funktionen

1 Person Einsatzleitung Kanalreinigung -------> 1 Einsatzfahrzeug
1 Person Einsatzleitung Pumpwerke -------> 1 Einsatzfahrzeug
2 Personen Kanalreinigung -------> 1 HDS-Fahrzeug
2 Personen Entstördienst Hausanschlüsse -------> 1 HA-Fahrzeug
2 Personen Schlosser -------> 1 Werkstattfahrzeug
2 Personen Elektriker -------> 1 Werkstattfahrzeug
1 Mitarbeiter Zentrallager/Logistik -------> 1 Transporter

Arbeitsmodus in der Pandemiephase (Beispiel)

  • Es werden insgesamt 4 Gruppen gebildet, die im Falle von Erkrankungen oder Quarantänemaßnahmen in einer der anderen Gruppen den Notbetrieb auf dem Betriebshof oder auf den Außenstellen autark weiterführen können.
  • 2 Gruppen auf dem Kanalbetriebshof, die im wöchentlichen Wechsel eingesetzt werden (eine Woche Arbeitsbereitschaft zu Hause, eine Woche Dienst auf dem Betriebshof)
  • 1 Gruppe dauerhaft autark auf der Außenstelle 1
  • 1 Gruppe dauerhaft autark auf der Außenstelle 2

Anlage 8: Checkliste Einrichtung provisorischer Außenstellen

Einsatz von zu Hause (Beispiel)

Als weiteres Beispiel wäre bei Instandhaltungspersonal auch der Einsatz von zu Hause aus möglich. Die Mitarbeiter* innen nehmen ihre Werkstattfahrzeuge mit und erhalten ihre Aufträge telefonisch oder über das Internet auf mobile Endgeräte. Genauso kann auch die Erledigung der Arbeiten dokumentiert werden. Die Materialaufnahme im Lager kann so erfolgen, dass kein Risikokontakt entsteht. Der Umgang mit verschmutzter Schutzkleidung ist zu regeln, z.B. Umziehen auf der Betriebsstelle, wo der Einsatz erfolgt, oder zu Hause z.B. am Nebeneingang und Lagerung / Transport in verschließbarer Kiste.

Personalaktivierung mit Minimierung des Kontaktpersonenrisikos der Kategorie I (Beispiel)


Eine Möglichkeit, das Betriebspersonal weitgehen wieder aktiv einzusetzen, könnte die Umsetzung restriktiver Schutzmaßnahmen sein, sofern hierdurch zuverlässig vermieden werden kann, dass Personen im Zuge einer Kontaktpersonennachverfolgung der Kategorie I (Details zu den Kontaktkategorien siehe Anlage 4) zugeordnet werden.

Dies kann erreicht werden durch dezentrale Serviceeinheiten im Bereich der Kanal-, Maschinen- und Elektrotechnik
mit 3 bis 6 Personen je Team und tatsächlichen Arbeitsteams von 1 bis 2 Personen, die strikt getrennt bleiben.

  • Alle Mitarbeitenden mit versetztem Arbeitsbeginn (15 bis 30 Minuten) sind in Arbeit. Dies gilt auch für Pausen und das Arbeitsende (Kontaktvermeidung in Sozialräumen).
  • Strikte Kontaktvermeidung gemäß den „Herausnahmeregeln“ (Anlage 3).
  • Strikte Trennung der Teams. Bei größeren Anlagen darüber hinaus in räumlicher Form mittels Markierungen, Hinweisen, „Spanischen Wänden“ etc.
  • Wöchentlicher Check und Unterweisung der Teams zur Hygiene, Gefahr durch Covid-19, Maßnahmen zum
    Schutz wie räumliche und zeitliche Trennung etc.
  • Bereitschaftspersonal ggf. in „Sicherheit“ durch häuslichen Hintergrunddienst (Homeoffice).

Vorteile dieser Verfahrensweise eine maximale Arbeitszeitnutzung, umfangreiche Kommunikation, gleichmäßige
Belastung der Mitarbeitenden sowie variable Szenarien bei einem Corona-Verdacht.

Im Rahmen der Vorgaben des RKI zum „Umgang mit Personal der kritischen Infrastruktur in Situationen mit
relevantem Personalmangel im Rahmen der COVID-19-Pandemie“ sind in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt
verschiedene Szenarien denkbar:

1. Volles Personal bleibt aktiv unter Quarantäne-Arbeit (Kategorie II)
2. Halbes Team bleibt aktiv (wegen strikter Trennung) (Kategorie I und II werden definiert)
3. Ganzes Team wird unter Quarantäne gestellt. Alle Mitarbeiter sind in Kategorie I eingestuft.

 

5.10 Klärwerk

Mindestpersonalbedarf zur Aufrechterhaltung des Betriebs (Beispiel)

18 Personen pro Team

Frühschicht:
1 Leitung Klärwerk

(Meister/Rufbereitschaftshabender/Notfallkoordinator)

  • 1 Vorarbeiter
  • 1 Person Zentralwarte
  • 1 Person Elektriker
  • 1 Person Abwasserreinigung
  • 4 Personen Schlosserei
    (Abwassertechnik und Schlammentwässerung)
  • 1 Person Schlammpumpenhaus

Spätschicht und Nachtschicht:

  • 1 Person Zentralwarte
  • 1 Person Elektriker
  • 1 Person Abwasserreinigung
  • 1 Person Schlammentwässerung

Darüber hinaus gibt es in jedem Team einen Springer, der die Rufbereitschaft übernimmt.

Sicherstellung des Betriebes (Beispiel)

Es werden insgesamt 4 Teams gebildet, die im wöchentlichen Wechsel (Freitag bis Freitag) im Schichtbetrieb auf der Anlage sind.

Im Falle von Erkrankungen oder Quarantänemaßnahmen kann jedes Team den Betrieb auf dem Klärwerk autark weiterführen.

Sollte der Krankenstand im Klärwerk weiter ansteigen, wird in mehreren Schritten versucht, die Schichtstärke wieder herzustellen:

  • Im ersten Schritt findet eine Reduzierung der Teams statt (von 4 auf 3 auf 2). Dies immer situativ in enger Abstimmung durch die Teamleiter.
  • Sollte auch bei einer Reduzierung auf 2 Teams eine ausreichende Besetzung des 3-Schicht-Betriebes nicht mehr möglich sein, wird der Betrieb auf ein 2-Schicht-System umgestellt.
  • Es wird dann durchgängig in zwei 12-Stunden-Schichten gearbeitet:

Frühschicht: 06:00 Uhr – 18:00 Uhr

Nachtschicht: 18:00 Uhr – 06:00 Uhr

  • Bei dieser Schichtfolge erfolgt so lange ein Austausch der Teams bis die Minimalbesetzung erreicht wird (2 x 5 Mitarbeiter = 10 Mitarbeiter).
  • Bei Erreichen dieser Mindestzahl an arbeitsfähigen Mitarbeiter in den o.g. Positionen darf die Anlage nicht mehr verlassen werden.
  • Die Sicherstellung der Ruhephasen erfolgt dann durch Wahrnehmung vor Ort; hierfür stehen die Sozialräume zur Verfügung.
  • Es ist ausreichend Nahrung sowie Liegen, Decken etc vorzuhalten.

Im Schichtbetrieb gelten folgende Regeln

  • Ausschließlich schriftliche Übergabe mittels Tagesprotokoll
  • keine (!) persönliche Übergabe

 

5.11 Chemisch-biologische Laboratorien

Ziel ist die Gewährleistung der chemisch-biologischen Analytik der Klärwerksüberwachung

Mindestpersonalbedarf für den Notdienst (Beispiel)

  • 1 Leitung
  • 1 Mitarbeitender zur Probenahme
  • 1 Mitarbeitender apparative Analytik „Anorganik“
  • 1 Mitarbeitender apparative Analytik „Organische Stoffe/Stoffgemische“
  • 1 Mitarbeitender Biologie/Klärwerksüberwachung
  • 1 Spülkraft

Arbeitsmodus in der ersten Pandemiephase (Beispiel)

  • xx Mitarbeiter*innen
  • Wöchentlicher Wechsel zwischen Labor und Homeoffice
  • Aufteilung in zwei getrennte Arbeitsgruppenmit je
    • 2 Leitende
    • 2 Mitarbeitende zur Probenahme
    • 5 Mitarbeitende apparative Analytik „Anorganik“
    • 3 Mitarbeitende apparative Analytik „Organische Stoffe/Stoffgemische“
    • 4 Mitarbeitende Biologie/Klärwerksüberwachung

 

5.12 Planung und Bau Klärwerk, Kanalnetz und Pumpwerke

Bereitstellung von Personal für den Fall, dass Bauarbeiten pandemiebedingt entweder durch die Baufirmen oder den Abwasserbetrieb eingestellt werden und der Notbetrieb sowie die Kommunikation aufrecht zu erhalten sind.

Mindestpersonalbedarf für den Notdienst (Beispiel)

  • 1 Person Ingenieur Maschinentechnik/Verfahrenstechnik/Bau
  • 1 Person Ingenieur Elektrotechnik

 

5.13 Finanzen, Betriebswirtschaft, Controlling

Mindestpersonalbedarf für den Notdienst (Beispiel)

  • 2 Sachbearbeitungen Finanzbuchhaltung
  • 1 Sachbearbeitung Finanz-IT Administration

7. Quellennachweis

  • Robert Koch-Institut (rki.de)
  • Robert Koch Institut, Umgang mit Personal der kritischen Infrastruktur in Situationen mit relevantem Personalmangel im Rahmen der COVID 19-Pandemie (27.03.2020)
  • Bundesministerium des Innern: Schutz Kritischer Infrastrukturen – Risiko- und Krisenmanagement, Leitfaden für Unternehmen und Behörden (2011)
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Handbuch betriebliche Pandemieplanung (2010)
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Ausbreitung des neuen Coronavirus (Covid-19) SARS-CoV-2, Handlungsempfehlungen für Unternehmen, insbesondere für Betreiber Kritischer Infrastrukturen (26.03.2020)
  • Bundesamt für Gesundheit der Schweiz (BAG): Pandemieplan - Handbuch für die betriebliche Vorbereitung (2019)
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Arbeitsschutzstandard SARS-CoV-2 (16.04.2020)