Hennef, 2. Februar 2026. Die DWA hat das Merkblatt DWA-M 575 „Sedimentdurchgängigkeit an Querbauwerken“ veröffentlicht.
Sedimente sind die zentralen Elemente für die Morphologie von Fließgewässern. Ihre Eigenschaften, ihre Bewegung und die daraus resultierende Verteilung im Gewässer prägen die ökologischen Entwicklungsperspektiven von Gewässerlandschaften maßgeblich und definieren bedeutende Randbedingungen für Gewässernutzungen vielfältiger Art. Auf die Morphologie wesentlichen Einfluss haben zum einen natürliche Prozesse, wie insbesondere das Abflussgeschehen. In den heutigen Kulturlandschaften waren und sind zum anderen aber auch in hohem Maß anthropogene Einflüsse bedeutsam. Zu Letzteren zählt beispielsweise die Landnutzung und deren Einfluss auf die Einträge von Sedimenten in Menge und Zusammensetzung in die Gewässer. Im Gewässer sind vielfach umfangreiche Anpassungen und Lauffestlegungen der Fließgewässer sowie weitere gezielte Eingriffe zur Nutzbarmachung der Gewässer zu nennen. Diese wurden unter anderem durch Querbauwerke erreicht, welche die morphologischen Prozesse erheblich verändern. Querbauwerke schränken den Sedimenttransport in Gewässerlängsrichtung oft erheblich ein, sodass der Nachschub von Sedimenten in die Mittel- und Unterläufe der Fließgewässer und in die Delta- und Küstenbereiche über die heute große Zahl an Querbauwerken erheblich eingeschränkt ist.
Eine bedeutende Herausforderung für die Fließgewässerunterhaltung und -entwicklung ist es, den negativen Folgen der anthropogenen Überprägung der Gewässer auf das Sedimenttransportgeschehen und den Sedimenthaushalt wirkungsvoll zu begegnen. Es gilt, weitere negative Auswirkungen auf das Ökosystem und die Nutzungen der Gewässer zu vermeiden und positive Entwicklungen zu initiieren. Sinnvollerweise sollte dies durch die Behandlung der wesentlichen Ursachen geschehen. Die Erhöhung der Sedimentdurchgängigkeit an Querbauwerken ist ein naheliegender und auch bedeutender Ansatz für die Verbesserung der Bedingungen in Fließgewässern. Vor diesem Hintergrund soll das Merkblatt DWA-M 575 zur Verbesserung der Sedimentdurchgängigkeit an Querbauwerken beitragen und damit auch ein wichtiges Element im Rahmen der Erstellung und Umsetzung von Sedimentmanagementkonzepten und -plänen darstellen. Es liefert belastbare Hilfestellungen bei der Entwicklung von Konzepten und bei Planungen in der Gewässerbewirtschaftung und Gewässerentwicklung.
Mit der anthropogenen Überprägung der Fließgewässer und den intensiven Nutzungen in den heutigen Kulturlandschaften geht eine Verpflichtung zu einem ordnungsgemäßen und auf die Nutzungszwecke ausgerichteten Betrieb von Anlagen und eine Unterhaltung der Gewässer einher. Verändern sich oder entfallen Nutzungen im Gewässer oder der eigentliche Nutzungszweck von Querbauwerken, so ergeben sich für einen Anlagenbetreiber oder Unterhaltungspflichtigen teilweise erhebliche Kosten für die fortgeführte Unterhaltung. An Querbauwerken ist die Freihaltung von Abflussquerschnitten und sicherheitsrelevanten Entlastungsorganen eine unverzichtbare Aufgabe. Bauliche Veränderungen an bestehenden Querbauwerken bis hin zu einer Aufgabe in Form eines vollständigen Rückbaus sind aus betrieblicher und damit wirtschaftlicher Sicht zunehmend eine Alternative zum Erhalt. Dabei gilt es jedoch, mögliche Auswirkungen im Gewässer durch eine mit Veränderungen verbundene verbesserte Sedimentdurchgängigkeit zu beachten. Auch für diesen Anlass liefert das vorliegende Merkblatt eine wichtige Unterstützung.
Das Merkblatt wurde von der DWA-Arbeitsgruppe WW-2.8 „Sedimentdurchgängigkeit“ (Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Nils P. Huber) im Auftrag des DWA-Hauptausschusses „Wasserbau und Wasserkraft“ im DWA-Fachausschuss WW-2 „Morphodynamik“ erarbeitet. Es hat zum Ziel, mit hauptsächlichem Blick auf die Sedimentquantität und damit auf den Sedimenthaushalt zur Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sedimentdurchgängigkeit zu motivieren und diese fachlich fundiert zu unterstützen. Die Vereinbarkeit von Maßnahmen zur Verbesserung der Sedimentdurchgängigkeit mit ökologischen Aspekten und den vielfältigen Nutzungen an Fließgewässern in den heutigen Kulturlandschaften – und hier sind sowohl die freifließenden Abschnitte als auch unter Staueinfluss stehende Bereiche zu sehen – ist dabei ein zentrales Element.
Der Fokus dieses Merkblatts liegt auf der Stärkung der longitudinalen Sedimentdurchgängigkeit, die durch Querbauwerke maßgeblich und unmittelbar eingeschränkt wird. Die ebenfalls wichtige laterale Sedimentdurchgängigkeit, das heißt der Sedimenttransfer zwischen dem Gewässerbett und seitlichen Bereichen, wie den Auen, ist nicht Teil dieses Merkblatts.
Das Merkblatt richtet sich unmittelbar an jene, die mit dem Betrieb von Stauanlagen oder allgemein der Unterhaltung von Querbauwerken oder davon beeinflussten Fließgewässern betraut und befasst sind. Hierbei kann es sich um Institutionen mit gesetzlichem Auftrag, wie Aufsichts- und Genehmigungsbehörden, Energieerzeuger oder Trinkwasserversorger handeln. Auch Planungsbüros, sowohl aus dem Bereich der Ingenieur- wie auch der Landschafts- und Umweltplanung, welche die beiden vorgenannten Gruppen oftmals unterstützen, werden explizit adressiert.
Merkblatt DWA-M 575 „Sedimentdurchgängigkeit an Querbauwerken“, Januar 2026, 103 Seiten
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ISBN 978-3-96862-868-4, Preis: 170 Euro, fördernde DWA-Mitglieder: 136 Euro
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ISBN 978-3-96862-869-1, Preis: 149 Euro, fördernde DWA-Mitglieder: 119,20 Euro
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Preis: 214 Euro, fördernde DWA-Mitglieder: 171,20 Euro
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